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Das S^ich-Quartett
in Wort und J^ild
i
Das Streich-Quartett
in Wort und J^ild
J{crausgegeben von
^ ^ ^ 4* Ehrlich
Verlag von
J{. Pag ne
in Leipzig
Vorwort.
die Pflege der Kammermusik und speziell des Streichquartetts wohl noch nie eine
so rege gewesen ist wie in der Gegenwart, dürfte wohl keinem Zweifel unterliegen.
In jeder einigermassen grösseren Stadt besteht ein gutes, meist aus Mitgliedern des
Theater- Orchesters gebildetes Quartett, das regelmässig Kammermusik- Abende ver¬
anstaltet, und ausserdem werden selbst kleinere Städte in jedem Jahre von den
Quartetten der Residenzen und grösseren Städte besucht. Bedenkt man, dass dem
Streichquartett äusserliche Mittel zur Erzielung von Wirkung fehlen, dass es sich
dabei um Musik in der anspruchslosesten Form handelt, so dass nur ein ziemlich geübtes Ohr überhaupt
daran Geschmack findet, so muss man nothgedrungen zu der Ueberzeugung gelangen, dass das musika¬
lische Verständniss des grossen Publikums in den letzten dreissig Jahren gewaltige Fortschritte gemacht hat.
Ein grosser Prozentsatz des Publikums, welches Kammermusiksoireen besucht, besteht aus Geigen-
und Cello-Dilettanten, welche die vorgeführten Werke in engerem Kreise spielen, und die durch das
Hören derselben zu immer neuen Versuchen angeregt werden, das was ihnen bis dahin fremd war und
auf den ersten Blick unausführbar erschien, vorzunehmen und wenigstens den Versuch zu machen, damit
näher vertraut zu werden.
Es liegt auf der Hand, dass die Anzahl dieser Geigen- und Cello-Dilettanten eine ungemein grosse
sein muss und von der Ansicht ausgehend, dass sich die meisten derselben für Alles interessiren, das
irgendwie auf das Streichquartett Bezug hat, kam ich auf den Gedanken, die hier gebotene Sammlung
zusammenzustellen. Sie ist, obgleich nicht absolut vollständig, weit umfangreicher geworden, als ich zu¬
erst beabsichtigte und giebt ein annäherndes Gesammtbild Derjenigen, die innerhalb der letzten fünfzig
Jahre das Streichquartett öffentlich zum Vortrage gebracht haben.
Allen Denen, meist die ersten Geiger der betreffenden Streichquartette, welche mich durch Zu¬
sendung von Photographien und biographischen Unterlagen unterstützt haben, sage ich hiermit meinen
wärmsten Dank.
Leipzig', im November 1898.
v
Der Herausgeber.
Inhalt,
Seite
Die Müller* sehen Quartette - . . , . . i — 3
Das Florentiner Quartett . 4
Die Leipziger Quartette.
Die Mitglieder der Leipziger Kammermusik-Soireen 1860 . 6
Das Petri- und das Lewinger-Quartett .... . 8 — 11
Das Brodski-Quartett . 12
Das Berber-Quartett . 14
Die Wiener Quartette.
Die Hellmesbergcr-Quartette . 16
Das Rose-Quartett . . 18
Das Prill-Quaitelt . 20
Das Fitzner-Quartett . 22
Das Soldat-Rocger-Quartett . . . 24
Das Quartett Duesberg . 26
Das Winkler’sche Quartett . 28
Das Joachim’schc Quartett (Berlin) . . . 30
Das Joachim’sche Quartett (London) . 31
Das Londoner Quartett mit W. Normann-Ncruda (Lady Halle) und
Sir Charles Hall6 . 33
Das Dresdener Quartett . 34
Das Stuttgarter Quartett . 36
Das
Das
Das
Das
Das
Das
Das
Das
Das
Das
Das
Das
Das
Das
Das
Das
Das
Das
Das
Das
Das
Das
Das
Meininger Quartett
Heckmann’sche Quartett
Kölner Quartett
Frankfurter Quartett
Halir-Quartett .
Walter-Quartett (München)
Hamburger Quartett
Waldemar Meyer- Quartett
Holländer-Quartett
Riller-Ouartett.
Hänflein-Quartctt
„Böhmische“ Sti eich-Ouartett
Budapester Quartett
Petersburger Quartett
Warschauer Quartett
Bologneser Quartett
Triester Quartett
Brüsseler Quartett
Richard Gompertz-Quartett
Shinner-Ouartett
Kneiscl-Ouartett
Dannrcuther-Quartett
Römische Quartett
Die Müller’schen Quartette.
eisende Streich - Quartette sind heutzutage eine so häufige Erscheinung, dass man sich kaum in die
Zeit zurückversetzen kann, da ein solches reisendes Quartett ein Ereigniss war, und Diejenigen, welche
diese Thätigkeit erst zu einer Spezialität ausgebildet haben, sind für die grosse Masse heute vollständig
vergessen. Die Gebrüder Müller, in Braunschweig in der herzoglichen Kapelle angestellt, dürften wohl
die ersten gewesen sein, welche das reisende Streich- Quartett ins Leben riefen und zu hohem Ansehen
brachten. Vor 40 bis 45 Jahren sprach man noch von diesem Quartett als von dem Höchsten, das
im Quartett geleistet werden konnte. Dasselbe bestand aus Karl Er. Müller (1. Violine), F. Georg
Müller (2. Violine), T. H. Gustav Müller (Viola) und A. Theodor Müller (Cello). Sie reisten in
der Zeit von 1831 bis 1855 durch ganz Deutschland, Öesterreich, Holland, Russland, Dänemark, Paris und
haben somit zweifellos den Sinn für die edelste und anspruchsloseste Form der Musik mächtig gefördert.
Die umstehend gegebene erste Abbildung ist nach einer Lithographie aus dem Jahre 1852 und verdanke
ich dieselbe Herrn Karl Müller-Berghaus, dem ersten Geiger des „jüngeren“ Müller’schen Quartetts.
Als das Müller’sche Quartett durch den Tod
eines der Brüder gesprengt wurde, enstand das
jüngere Quartett Müller, indem die vier Söhne
des ersten Geigers, Karl Fr. Müllers, Karl
Müller-Berghaus (x. Violine), Hugo (2. Vio¬
line), Bernhard (Viola) und Wilhelm (Cello)
wieder ein Quartett bildeten und reisten. Sie
wurden als Hofmusiker in Meiningen angestellt,
siedelten dann nach Wiesbaden über und, als
Karl Müller-Berghaus nach Rostock als Kapell¬
meister berufen wurde , auch nach Rostock.
Von dieser Zeit an trat Leopold Auer als
erster Geiger in das Quartett ein. Im Jahre
1873 ging das Quartett, durch die Berufung
Wilhelm Müllers nach Berlin als erster Cellist
bei der königlichen Kapelle und Lehrer an
der inzwischen gegründeten Hochschule, definitiv
auseinander.
Das erste Mliller’sche Quartett. Nach einer Zeichnung von Chr. Reimers.
A. Ehrlich. Das Streich -Quartett.
Das ältere Müller’sehe Quartett.
2
Wilhelm Müller.
Karl Müller.
Hugo Müller.
Bernhard Müller.
Das Herzogi. S.-Meiningen’sehe Hof-Quartett.
3
Das Florentiner Quartett.
^jit diesem Quartett, das sich im Jahre 1866 in Florenz zusammenfand, beginnt eigentlich
die Geschichte des reisenden Streichquartetts, denn obwohl schon die älteren und jüngeren
Gebrüder Müller reisten, so waren sie doch nicht lediglich zu diesem Zwecke zusammen-
S| getreten, wie das bei den Florentinern der Fall war. Den Namen des „Florentiner“-Quartetts
5a hat es lediglich daher bekommen, dass es in Florenz, wenn ich nicht irre, wesentlich auf
Veranlassung einer damals dort lebenden Russin entstand. Jean Becker, der erste Geiger, war ein
Mannheimer und der Cellist, Hilpert ein Nürnberger. Nur die Mittelstimmen, zweite Geige und Viola
waren mit Florentinern, den Herren Masi und Chiostri, besetzt. Das Quartett wurde etwa 1865
oder 1866 begründet und erlangte durch seine ausgedehnten Reisen bald einen Weltruf. 1875 trat
an Stelle Hilperts der Cellist Spitzer- Hegyesi ein und bald ging es in Folge eines Streites zwischen
Jean Becker und Chiostri auseinander. Chiostri war ein vorzüglicher Musiker und ausgezeichneter
Violaspieler, leider aber von wenig verträglichem Charakter, der schon vorher wiederholt zu zeitweiligen
Reibungen geführt hatte. (Er und seine Familie kamen vor einigen Jahren durch eine Vergiftung
um). Nachdem das Quartett aufgelöst worden war, zog sich Becker in seine Vaterstadt zurück und
reiste von da aus hin und wieder mit seinen Kindern Hans, Hugo und Jeanne, ohne jedoch den Beifall,
den er früher mit dem Quartett gefunden hatte, zu erlangen.
Was die Leistung der sogenannten Florentiner anlangt, so lässt sich heute darüber, wie sie
sich zu denen der jetzt und in den letzten zehn Jahren bestehenden und bestandenen Quartett -Verei¬
nigungen verhalten, schwer ein Urtheil fällen. Waren sie besser als das Joachim’sche, Brodski’sche,
Heermann’sche, Böhmische, oder ebenso gut, oder geringer? Jean Becker hatte jedenfalls das grosse
Verdienst, das Interesse für Kammermusik und speziell für das Streich - Quartett wieder mächtig
angefacht zu haben, denn von jener Zeit an sind die stehenden und reisenden Streichquartette in
grosser Anzahl entstanden.
4
Andante cantabile.
Das Florentiner Quartett.
5
Die Leipziger Quartette.
Die Mitglieder der Leipziger Kammermusik- Soireen 1860.
i Leipzig war seit vielen Jahren und namentlich seit dem Engagement Ferdinand Davids,
dem von Mendelssohn so hochgeschätzten Konzertmeister der Gewandhaus-Konzerte, das
öffentliche Quartettspielen heimisch. Unter den berühmten Streich-Quartetten der letzten
40 Jahre nehmen zweifellos diejenigen des Leipziger Gewandhauses, wie es in den
sechziger Jahren bestand, einen hervorragenden Platz ein. Ferdinand David war der
Führer desselben, und zwei seiner Schüler, E. Röntgen und Fr. Hermann, seit mehreren Jahren
Professor am königl. Conservatorium, spielten die zweite Geige und Viola. Das Cello war bei
Fr. Grützmacher, dem jetzigen königl. Kammermusiker und Konzertmeister in Dresden, in den
besten Händen. Von Zeit zu Zeit wechselte die erste Violine ihren Vertreter, indem dann
R. Dreyschock, der zweite Konzertmeister des Gewandhauses, an diese Stelle trat, ebenso die
zweite Geige, die dann von Fr. Haubold, ebenfalls einem Schüler Davids, gespielt wurde.
David, als energischer Leiter, hatte unleugbar bedeutende Verdienste um die Pflege der
Kammermusik, und in seiner besten Zeit, etwa 1858 — 1865, waren die Leistungen gewiss hervor¬
ragende und namentlich hatte das Quartett den Vorzug vor vielen anderen der damaligen Zeit,
dass die Ausführung nach einem Kopfe ging. David duldete keine andere Meinung und wenn
auch seine Auffassung hin und wieder nicht unanfechtbar war, so war doch die Ausführung in
dieser Richtung eine tadellose. Später freilich wurde Davids Spiel etwas manirirt und die schöne
Klangfarbe des Quartetts litt durch seine Neigung zum Kratzen und in der allerletzten Zeit auch
durch Unreinheit. Was speziell die Klangfarbe des Streichquartettes anlangt, so glaube ich niemals
eine schönere gehört zu haben, wozu allerdings die wunderbare, wohl von keinem anderen Saale
erreichte Akustik des alten Gewandhaussaales nicht wenig beigetragen haben mag.
Die hier gegebene Porträtgruppe, der man das Peinliche des Photographirens der damaligen
Zeit (bitte, ein recht freundliches Gesicht!
und 5 Minuten sitzen ohne mit den Augen zu
blinzeln) ansieht, verdanke ich der Liebens¬
würdigkeit des Herrn Professor Fr. Hermann.
6
E. Röntgen. Fr. Griitzraacher. Fr. Haubold. _
Fr. Hermann. R. Drcyschock. Ferd. David.
Die Mitglieder der Leipziger Kammermusik-Soireen 1860.
7
Das Petri- und das Lewinger-Quartett.
ach dem Tode Ferdinand Davids nahm das Interesse für die Kammermusik- Soireen
beim Publikum bedeutend ab und erwachte erst wieder, als die rivalisirenden Quartett-
Vereinigungen Brodski und Petri ins Leben traten. Mit diesem letzteren, welches im
Laufe von vierzehn Jahren nicht weniger als sieben Wandlungen in der Besetzung der
einzelnen Stimmen durchgemacht hat, haben wir es hier zu thun.
Die erste Zusammenstellung bestand aus den Herren H. Petri, A. Boiland,
und Alwin Schröder (der inzwischen nach Amerika gegangen ist und den wir auf dem
Kneisel- Quartett wiederfinden), alle vier Mitglieder des Gewandhaus-Orchesters. Bald trat Herr Boiland
von der zweiten Geige zurück und Herr H. von Dameck, ein früherer Schüler des Leipziger Conser-
vatoriums, trat an dessen Stelle. Nach Weggang des Herrn Konzertmeister Petri, welcher nach Dresden
übersiedelte, übernahm Herr Arno Hilf die erste Violine. Dieser trat jedoch, bei Brodskis Abgang, bald
in das andere Leipziger Quartett (Hilf, Becker, Sitt, Klengel) über, und der neu engagirte Konzertmeister
C. Prill übernahm die erste Violine. Unter dessen Leitung schieden wieder von Dameck und Schröder
aus, für welche die Herren M. Rother (2. Violine) und G. Wille (Cello) eintraten. Für Herrn
Konzertmeister Prill, welcher in der Saison 1897 bis 1898 austrat, um eine glänzende Stellung in Wien
anzutreten, und den wir nun auf einem andern Bilde wiederfinden, trat Herr M. Lewinger, Konzert¬
meister am Gewandhause, ein.
Es liegt auf der Hand, dass dieser fortwährende Wechsel in der Besetzung der einzelnen
B. Unkenstein
8
A Ehrlich. Da« Streich* Quartett.
II. Petri. A. Schröder.
B. Unkenstein. A. Holland.
Das Petri -Quartett.
9
Stimmen nicht ohne Einfluss auf die Quartett -Vereinigung bleiben konnte. Um ein vollendetes Quartett¬
spielen zu erzielen, ist nicht nur die Tüchtigkeit des Einzelnen erforderlich, jeder muss auch die
Eigenart der andern drei kennen, und hier und da derselben Rechnung tragen, und wenn man auch
annehmen kann, dass ein solches Zusammenfinden bei anerkannt tüchtigen Kräften verhältnissmässig
schnell stattfinden wird, so gehört selbst bei den besten Kräften Zeit dazu. Beim Quartettspielen hat
auch der Charakter eines jeden der vier Mitwirkenden etwas zu sagen, und nicht selten wird, wenn
der erste Geiger nicht in Allem und Jedem die allein ausschlaggebende Stimme hat, die Bildung eines
einheitlichen Ensemble durch Meinungsverschiedenheit aufgehalten.
Bleibt die Leitung des Quartettes in derselben Hand, so wird ein Wechsel bei den anderen
Stimmen nicht allzu störend wirken. Im vorliegenden Falle aber fand gerade in der Besetzung der
ersten Geige ein Wechsel durch die Herren Petri, Hilf, Prill und Lewinger statt. Das brachte manche
Aenderung in der Auffassung mit sich und es ist unter diesen Umständen nicht genug anzuerkennen,
dass die Aufführungen des Quartetts einen so hohen Grad von Vollkommenheit erreichten. Schade nur,
dass durch Herrn Konzertmeister M. Lewingers Abgang nach Dresden ein abermaliger Wechsel
verursacht wird.
G. Wille.
B. Unkenstein.
M. Rotker.
Das Lewinger-Quartett.
Das Brodski- Quartett
ast gleichzeitig- mit der ersten hier gegebenen Zusammenstellung (Petri, Bolland, Unkenstein
Schröder) trat das zweite Leipziger Quartett der Herren A. Brodski, O. Nowazek, H Sitt
und L. Grützmacher aus Weimar, später J. Klengel, zusammen. A. Brodski, der schon unter
zwei Meistern ersten Ranges, J. Ilellmesberger in Wien und Ferdinand Laub in Moskau,
viel Quartett gespielt hatte, war als Lehrer an das Leipziger Conservatorium berufen worden,
und als begeisterter Quartettspieler fühlte er sehr bald das Bedürfniss, ein Quartett zusammenzustellen,
wozu ihm der befreundete ausgezeichnete Geiger H. Sitt (der die Viola übernahm) sehr forderlich war.
Ein vorzüglicher Schüler Brodskis, Nowazek, übernahm die zweite Violine und Leopold Grützmacher aus
Weimar das Cello. Später trat J. Klengel an des Letzteren Stelle. Zunächst war dieses Quartett ein Privat-
Unternehmen der vier Herren, allein sehr bald erzielten sie so grosse Erfolge, dass die Gewandhaus-
Direktion sich veranlasst sah, das ganze Quartett für die Kammermusik- Abende zu engagiren. Seit
dieser Zeit hat sich die Einrichtung erhalten, dass in denselben zwei Quartett -Vereinigungen alterniren,
eines, das aus Mitgliedern des Orchesters besteht (Lewinger, Rother, Unkenstein, Wille), und eines, das
aus Lehrern am Conservatorium (Brodski, Becker, Sitt, Klengel) bestand. Die Kammermusik -Abende
dieser Zusammenstellung möchten wir als den Glanzpunkt der Leipziger Kammermusik-Aufführung'en
bezeichnen. Brodski war ein Quartettspieler par excellence und brachte mit derselben Virtuosität die
grossen Gedanken Beethovens wie den naiven Humor Haydns zur Geltung.
Aber auch hier trat sehr bald ein Wechsel ein; Herr Kapellmeister Sitt trat von der Bratsche
zurück, die von Nowazek übernommen wurde, und Herr H. Becker (der Sohn Jean Beckers) trat als
zweiter Geiger ein. Auch diese Zusammenstellung hatte leider keinen langen Bestand, denn Brodski
ging nach Amerika, wo er indess nicht lange aushielt. Er übernahm dann dm erste Violinlehrer-Stelle
am Conservatorium in Manchester, wo er wiederum ein Quartett zusammeng'estehi hat, auf das wir später
zurückkommen werden.
1 2
Allegro confcrlo.
A. Brodski. H. Becker. J. Klengel. O. Nowarek.
Das Brodski-Quartett.
1 3
Das Berber-Quartett.
Nachdem Adolph Brodski Leipzig verlassen hatte, um eine glänzende Stellung in New
York anzutreten, trat Herr Konzertmeister Hilf sowohl • im Conservatorium als Lehrer
wie auch im Quartett als erster Geiger an seine Stelle, und in der damaligen Zusammen¬
stellung Hilf-Becker-Nowazek-Klengel ist das Quartett drei Jahre lang geblieben. Nachdem
aber Konzertmeister Röntgen, der direkte Nachfolger Davids als Konzertmeister am
Theater- und Gewandhaus-Orchester, gestorben war, machte sich die Neubesetzung dieser Stellung
nothwendig, und die Wahl fiel auf Herrn Felix Berber, ein früherer Schüler Brodskis und später
Konzertmeister in Magdeburg. Herr Konzertmeister LIilf, der seiner Neigung nach wohl in erster
Linie Solist ist, trat von der ersten Geige beim Quartett zurück und mit ihm traten auch die Herren
IL Becker und Schäfer (der schon für Herrn Nowazek als Bratschist eingetreten war) aus, und für
dieselben traten die Herren Alfred Wille (2. Violine) und Alexander Sebald (Viola) ein, so dass
auch dieses Quartett, bis auf den Grundpfeiler Julius Klengel, ein unbestrittener Meister sowohl als
Solist wie als Quartettspieler, einer vollständigen Umwälzung unterworfen worden ist.
Herr Konzertmeister Berber war als Schüler des Conservatoriums eine für das Institut epoche¬
machende Erscheinung und hat sich seit seinem Abgang einen bedeutenden Ruf als Solist erworben.
Was die Leistungen des nun unter seiner Führung stehenden Quartetts anlangt, so kann man zunächst
nur sagen, dass es bei der ersten Aufführung sich die Sympathien des Publikums im Fluge erobert hat.
Hoffen wir, dass die jetzige Zusammenstellung des Quartetts nun recht lange von Bestand sein wird.
14
J. Klengel. A. Sebald. F. Berber.
Das Berber-Quartett.
Die Wiener Quartette.
Die Hellmesberger-Quartette.
ie Geschichte des öffentlichen Quartett-
spielens in Wien beginnt wahrschein¬
lich mit dem 1805 zuerst aufgetretenen
Quartette Schuppanzigh. Mayseder,
Schuppanzighs Schüler, spielte zweite
Geige und die fürstlich Lobkowitz’schen Kammer¬
musiker Schreiber und Kraft Viola und Cello. Die¬
sem folgten dann die Quartette Böhm und Jansa und
schliesslich, 1849, das Quartett Hellmesberger, wel¬
ches über ein Vierteljahrhundert lang das öffentliche
Quartettspielen in Wien gewissermassen monopolisirte.
Man hätte es beinahe das k. k. privilegirte erste öster¬
reichische Streichquartett nennen können. Es bestand
zuerst aus den Herren Joseph Hellmesberger,
M. Durst, C. Heissler und C. Schlesinger. Im
Laufe der Jahre wechselten die Vertreter der Mit¬
telstimmen und des Cello fortwährend; wir sehen
nacheinander die Cellisten A. Borzaga, Cossmann,
Heinrich Rover, David Popper, R. Hummer,
Hilpert, den entsprungenen „Florentiner“ J. Sulzer
und 1883 Ferdinand Hellmesberger. Nach dem
16
H. Rover. J. Hellmesberger.
S. Bachricb. J. Hellmesberger jun.
Das ältere Hellmesberg'er-Quartett.
Bratschisten Heissler erscheint J. Dobyhal,
hierauf S. Bachrich, J. Maxinsak, zuletzt
J. Egghard. Die zweite Violine übernahm nach
Durst C. Hoffmann, später D. Krancsevics, A.
Brodski und 1872 J. Hellmesberger jun. Im Jahre
1 887 hat sich das alte Quartett vollständig zum jungen
umgewandelt, und in dieser Gestalt besteht es noch jetzt.
Joseph Hellmesberger, nach seines Vaters Tode
nicht mehr Junior, ist das Haupt, Ferdinand Hell¬
mesberger der Fuss, und die nützlichen Arme sind
Th. Schwendt und J. Egghard. Das Quartett giebt
alljährlich sechs Kammermusikabende im Bösendorfer¬
saal und findet stets ein theilnehmendes Publikum,
das gern in Erinnerungen schwelgt. Sein hervor¬
stechendster Zug ist die Pietät. Es wandelt die vom
Vater vorgezeichneten Bahnen, und weil es nach rück¬
wärts auf die Wege blickt, die der alte Romantiker
Hellmesberger gegangen, wird es das „Klassische“
genannt.
Haydn, Mozart und Beethoven sind seine Haupt¬
götter. Ab und zu weitet es auch die Pforten und
Herzen , um frischen Luftzug einströmen zu lassen.
In den anderen Wiener Quartetten wie Rose,
Winkler, Fitzner, Prill, Soldat, sowie den öfter in
Wien gastirenden „Böhmen“, sind ihm mächtige
Konkurrenten entstanden, welchen es glücklicher¬
weise zu trotzen im Stande war.
A. Ehrlich. Das Streichquartett.
■7
J. Egghard. F. Hellmesberger. J. Hellmesberger. T. Schwendt.
Das jüngere Hellmesberger-Quartett.
3
Das Rose-Quartett.
i.w .y^ : uch dieses Quartett hat, wie da? ältere Hellmesberger’sche, bezüglich seiner Zusammenstellung
mehrere Wandlungen durchgemacht. Es wurde von Herrn Konzertmeister Rose ein Jahr
nach seiner Anstellung als Konzertmeister bei der Wiener Hooper, also 1883, gegründet und
besteht jetzt aus den Herren Arnold Rosö (1. Violine), Albert Bachrich (2. Violine),
Hugo von Steiner (Viola) und Reinhold Hummer (Cello). Unser Bild dagegen stammt
aus einer früheren Zeit und zeigt die Zusammenstellung: A. Rose (1. Violine), August Siebert (2. Violine),
der jetzt bei dem neu begründeten Prill-Quartett als zweiter Geiger mitwirkt, Hugo von Steiner (Viola)
und Reinhold Hummer (Cello). Alle vier sind Mitglieder des Wiener Hofopern-Orchesters und, wenn
wir nicht irren, auch ehemalige Schüler des Wiener Conservatoriums. Bei so anerkannt tüchtigen Kräften
ersten Ranges, wie es die vier Herren sind, kann selbstverständlich bezüglich des Zusammenspiels nur
das Vollendetste geleistet werden, und die grosse Beliebtheit dieser Quartett-Vereinigung in Wien spricht
am deutlichsten dafür, in welchem Grade diesen Erwartungen entsprochen wird. Das Quartett veran¬
staltet jährlich sechs bis acht Kammermusik-Soireen, oft unter Mitwirkung anderer Künstler (Clavier-
spieler, Bläser etc.), und bringt viele Novitäten.
Obgleich alle vier Herren in dem kaiserlich königlichen Hofopern-Orchester angestellt sind, hat
das Quartett doch schon ausgedehnte Reisen unternommen und überall bei seinem Auftreten die grössten
Erfolge erzielt.
18
— 1==
m
A. Rose. A. Siebert. H. von Steiner. R. Hummer.
Das Rose -Quartett.
19
Das Prill-Quartett.
as grosse Interesse, welches neuerdings in Wien der Kammermusik zugewendet wird, ein
Umstand, der von allen Musikfreunden mit Freuden begrüsst werden muss, hat zur Gründung
eines weiteren Streich-Quartetts geführt, in welchem, wie die „Neue Freie Presse“ nach der
3 ersten Aufführung sagte, den älteren Vereinigungen ein gefährlicher Rivale entstanden ist.
Dies ist auch in hohem Grade wahrscheinlich, denn wo Herr Konzertmeister Prill die erste
Violine spielt, kann man sicher sein, dass auch nur gute Musik gemacht wird. Aus der denkbar besten
Schule (E. Wirth, Joachim) hervorgegangen, ohne irgend welche Manierirtheit in seinem Spiele, ist Herr
Konzertmeister C. Prill der richtige Mann, um ein tüchtiges, normales Streichquartett zu leiten und zu
hoher V ollkommenheit zu bringen. Was dieses Quartett auch spielt, man kann sicher sein, dass es
niemals ein Tempo vergreifen wird, wie das leider seitens anderer Quartette nicht selten geschieht.
Das Quartett besteht aus den Herren Professor und Konzertmeister C. Prill (früher am Leipziger
Gewandhaus und vorher in Magdeburg); August Siebert, Schüler des „alten“ Hellmesberger, und früher
zweiter Geiger des Rose- Quartetts; Anton Ruzitska, Schüler des Prof. J. Grün, und Joseph Sulzer
(Cello), ehemaliger Schüler des Wiener Conservatoriums und Solo-Cellist des k. k. Hofopern -Orchesters,
welchem auch die andern drei Herren angehören.
Die öffentliche Thätigkeit dieses Quartetts ist zunächst noch zu jung, um ein einigermassen ver¬
lässliches Urtheil über seine Leistungen im Vergleich mit anderen ähnlichen Vereinigungen zu ermöglichen.
Nach den ersten Konzerten aber zu urtheilen, hat es sich sehr schnell in der Gunst des Wiener Pub¬
likums festgesetzt. Man kann, im Interesse der Pflege der Kammermusik, den Wienern zu einer so
ausgezeichneten Vereinigung nur gratuliren.
20
C. Prill. J. Sulrcr. A. Ruzitska. A. Siebcrt.
Das Prill-Quartett.
21
Das Fitzner- Quartett
wird oft darüber geklagt, dass die Pflege der Kammermusik nicht mehr das sei, was
sie vor fünfzig, sechzig Jahren war. Die Klage ist aber nur in Bezug auf den pro-
duzirenden Musiker berechtigt, der reproduziren de hat heute ein Feld, wie er es
noch nie gehabt hat, und speziell das Streichquartett florirt in einer noch nie dage¬
wesenen Weise. In Berlin existiren drei Quartette, in Leipzig zwei, in München,
Frankfurt, Stuttgart, Hannover je eines, in Hamburg, Dresden je zwei, und in Wien nicht weniger
als sieben. Gerade in Wien war das Interesse für Kammermusik in den sechziger und siebziger
Jahren vollständig verschwunden ur.d die öffentlichen Aufführungen beschränkten sich im Wesent¬
lichen auf das Quartett Hellmesberger. Heute bestehen neben diesem (d. h. dem jüngeren) die
Quartette Rosd, Winkler, Soldat-Roeger, Duesberg, Fitzner und Prill, und dabei sind auch noch
die Konzerte der regelmässig in jedem Jahre erscheinenden „Böhmen“, sowie des Joachim’schen
Quartetts ausgezeichnet besucht. Das Fitzner-Quartett, das wir hier bringen, veranstaltet in
jedem Jahre vier bis fünf Soireen. Es besteht aus den Herren R. Fitzner (i. Violine), J. Czerny
(2. Violine), O. Zert (Viola) und F. Buxbaum (Cello).
Rudolf Fitzner, ein Oesterreicher und Schüler des Wiener Conservatoriums (Prof. J. Grün),
war einige Jahre als Konzertmeister im Auslande thätig, wurde i8go Solist der Marine-Musik in
Pola, und kam 1894 nach Wien, wo er das Quartett gründete. Jaroslaw Czerny ist ein Böhme
aus Dux und Schüler des Prager Conservatoriums. Er war ebenfalls bei der Marine-Musik in
Pola, dann Mitglied der Strauss’schen Kapelle, später des Symphonie- Orchesters in New York.
Otto Zert aus Agram war, wie Fitzner, ein Schüler Prof. J. Grüns und ist gegenwärtig Mitglied
des k. k. Hof-Opernorchesters. Friedrich Buxbaum endlich, ein Wiener, ebenfalls Schüler des
dortigen Conservatoriums (Prof. Hellmesberger), beendete daselbst seine Studien im Jahre 1869, wurde
Solo-Cellist an dem Symphonie-Orchester in Glasgow (Schottland) unter Aug. Manns und trat
während zweier Jahre öfters in London als Solist auf.
Das Quartett hat während der verhältnissmässig kurzen Zeit seines Bestehens schon
bedeutende Erfolge aufzuweisen und machte ausgedehnte Reisen in Oesterreich-Ungarn, der Schweiz,
Rumänien, nach London und Berlin. Neben den Klassikern bringt das Quartett in jeder Soiree
eine Novität, und kann mit Stolz sagen, dass es Werke von Glazounow, Zemlinsky, Henschel, Fink,
Dvoriks herrliches Es dur-Quintett, Dohnany, Zellner u. s. w. in Wien zuerst aufführte.
F. Burbaum.
J. Czerny.
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Das Fitzner-Quartett.
23
Das Soldat- Roeger- Quartett.
ie in jedem anderen Beruf, so beginnt auch in der Kunst die „Frauenfrage“ eine Rolle zu spielen.
Zunächst bemächtigten sich die Damen des Claviers. Sie theilen sich in dessen Meisterung
heute ziemlich gleichmässig mit dem stärkeren Geschlechte. Hierauf wandten sie sich auch
dem Violinspiel zu. Die Anzahl der weiblichen Meister auf diesem Instrumente ist vorläufig
noch eine relativ kleine. Sie steigt jedoch fortwährend. Die Zahl der Virtuosen auf dem Violon¬
cello, dem sie sich später ebenfalls zuwendeten, ist naturgemäss eine noch kleinere. In Gartenkonzerten von
Damen -Orchestern, deren Erfolge mehr auf der Erscheinung als auf der Leistung beruhen, sind wohl auch
schon Contrabassistinnen und Bläserinnen zu sehen. Man kann eigentlich keinen rechten Grund anführen,
warum die Damen nicht auch blasen sollten, aber es wird einem doch schwer, sich eine Dame mit dem
Fagott oder der Basstuba vorzustellen. Damen-Orchester giebt es nun schon eine ganze Reihe, und auch einige
Damen -Streichquartette, unter denen das Quartett Soldat -Roeger jedenfalls den ersten Rang einnimmt. Es
besteht aus den Damen Marie Soldat-Roeger (i. Violine), eine der hervorragendsten Künstlerinnen, die wir
jetzt haben, Frau Finger-Bailetti (2. Violine), Frau Lechner-Bauer (Viola) und Miss Campbell (Cello).
Letztere, eine Amerikanerin, ist Schülerin von Professor Hausmann in Berlin. Die Damen Soldat-Roeger
und Finger-Bailetti sind Schülerinnen der Hochschule in Berlin, während Frau Bauer-Lechner eine Schülerin
Hellmesbergers ist. Dieses Quartett und das sogenannte Shinner-Quartett, nach der Vertreterin der ersten
Geige, Miss Emily Shinner (jetzt Mrs. Liddell) so genannt, sind in London wohl die ersten Streich-Quartette,
die nur aus Damen bestehen. Das Soldat- Roeger-
Quartett errang auf seinen Reisen grosse Erfolge
und hat jedenfalls noch eine bedeutende Zukunft.
21
Das Soldat-Roeger-Damen -Streichquartett.
A. Ehrlich. Drs Streich * Quartett.
4
Das Quartett Duesberg.
r-MB/.
V
— "-"^Vntcr den verschiedenenen Quartettvereinigungen, welche die österreichische Kaiserstadt besitzt,
B ist auch das am i. Februar 1890 gegründete „Quartett Duesberg“ zu nennen. Ursprünglich
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»| hiess es „Erstes Wiener Volksquartett für klassische Musik“ und bestand aus den Herren
■S Duesberg, Paudler, Heldenberger und Grienauer. Hierauf folgte im Jahre 1891 die
ü Zusammensetzung: Duesberg, Frl. Kurz, Frl. von Baumgarten und Anton G schöpf.
Für den Letzteren trat von 1896 — 98 Anton Barthlme ein. Seit dem Beginn der Saison 1898 — 99
besteht das Quartett, welches vom Jahre 1895 an den Namen „Quartett Duesberg“ führt, aus den Herren
August Duesberg (1. Violine), Hans Matlocha (2. Violine), Raimund Pirschl (Viola) und Otto
Krist (Cello). Herr August Duesberg ist 1867 zu Gelsenkirchen in Westfalen geboren. Er studirte
bei Wilhelmy, an den Musikschulen zu Würzburg, Wien und Brüssel (Ysaye). Im Jahre 1888 ging er
nach Italien, wo er als Konzertmeister thätig war. und kehrte 1889 nach Wien zurück, wo er seitdem
dauernd ansässig und Direktor der gleichnamigen Musikschule ist.
Herr Hans Matlocha ist 1876 zu Wien geboren und studirte am Wiener Conservatorium bei
Josef Hellmesberger.
Herr Raimund Pirschl ist 1873 zu Brünn geboren, absolvirte die dortige Musikschule und studirte
dann am Wiener Conservatorium bei Josef Hellmesberger.
Herr Otto Krist, geboren 1874 zu Wien, studirte am Wiener Conservatorium bei Professor Hummer.
Ein Programm des Quartetts aus neuester Zeit, welches uns vorliegt, zeigt, dass es besonders
auf Popularisirung der Kammermusik hinarbeitet. Es spricht sich dieses lobenswürdige Ziel nicht
nur durch die Wahl des Aufführungstages, eines Sonntags, sondern auch in der Bemessung der niedrig
gehaltenen Eintrittspreise aus, wodurch dem grösseren Publikum die Theilnahme an wirklichen Kunst¬
genüssen erleichtert wird.
Diese Massnahmen sind denn auch von grossem Erfolge gewesen, und es wäre gewiss zu wün¬
schen, dass aller Orten gleiche Rücksichten auf die bildungsfähigen, weniger bemittelten Kreise ge¬
nommen würde. Die Verallgemeinerung edlen Kunstinteresses müsste, konsequent durchgeführt, ein
beachtenswerther Beitrag zur Lösung der auf den Volksmassen lastenden sozialen Frage genannt werden.
Das Quartett Duesberg hat in seinem achteinhalbjährigen Bestände in Wien 170 Konzerte gegeben.
Dazu kommen noch 50 — 60 Konzerte, welche auf die Provinz entfallen.
•T*
26
Das Winkler’sche Quartett.
Cyrn ,-m-ft— y-
Hinter den musikalischen Ereignissen Wiens nimmt dieses Quartett eine eigene und bevorzugte
|| Stellung ein. Ohne mit grossen Fanfarenstössen annoncirt zu werden geniesst es doch den
sjj Ruf, dass von ihm nur die beste Musik in bester Ausführung gemacht wird, und was zur
fl1) musikalischen Welt gehört, versammelt sich dort. Für den bewanderten routinirten Dilettanten
W} im Quartettspielen besitzt es noch eine ganz besondere Empfehlung darin, dass Herr
Julius Winkler, der das Quartett leitet, ein begeisterter Haydn-Verehrer ist und keine Saison vorüber¬
gehen lässt, ohne ein oder ein paar der weniger bekannten Haydn’schen Quartette zum Vortrage zu
bringen. Wer seinen Haydn genau kennt, weiss, dass auch diese, die von vielen noch vor einigen Jahren
mit einer gewissen Geringschätzung behandelt wurden, wahre Perlen der Kammermusik enthalten, und es
ist daher ein nicht genug anzuerkennendes Verdienst des Herrn Winkler, dass er treu bei seinem Vorsatz
bleibt, gerade die weniger bekannten Haydn’schen Quartette einem kunstliebenden Publikum vorzuführen
und auf diese Weise dem, man kann sagen Erfinder des Streichquartetts, zu der allgemeinen Anerkennung
zu verhelfen, die ihm gebührt, und die ihm durch die moderne Neigung, das Streichquartett in Bahnen
zu drängen, für die es nicht geeignet ist, vorenthalten wird.
Das Quartett besteht aus den Herren Julius Winkler (i. Violine), ein geborener Ungar aus
Raab, Fritz Wahle (’. Violine), Alfred Finger (Viola) und Alexander Timpel (Cello), denen sich
auf unserem Bilde noch Plerr Hugo Reinhold, der Clavierspieler, anschliesst. Die Herren sind mit
Ausnahme des Herrn Winkler sämmtlich Wiener, und mit Ausnahme des Herrn Finger, der bei Joachim
in Berlin studirte, Schüler des Wiener Conservatoriums. Das Quartett besteht seit über zehn Jahren
und giebt jährlich sechs Konzerte.
28
J. Winkler. A. Finger. H. Reinhold. A. TimpcI.
Das Winkler-Quartett.
29
Op. 131.
Adagio raa non troppo e molto espr.
Das Joachim’sche Quartett
J^!?^5|||jbgleich es heutzutage in fast jeder grösseren Stadt
1 Deutschlands wenigstens ein ständiges gutes
Streich- Quartett giebt, das regelmässig Kammer¬
musik-Soireen veranstaltet, so hat doch diese Kon¬
kurrenz nicht vermocht, an dem Ruhme des
Joachim’schen Quartetts etwas zu ändern. Es ist möglich,
dass andere Quartett -Vereinigungen dasselbe in der Vollen¬
dung seiner Leistungen erreichen, oder auch die Werke einiger
Komponisten mit mehr äusserlichem Effekt zu Gehör bringen,
allein, im Grossen und Ganzen kann man von dem Joachim’¬
schen Quartett sagen, dass es die absoluteste Vollendung des
Quartettspielens repräsentirt. Eine Spezialität bezüglich der
aufzuführenden Kompositionen hat es nicht, denn das Joachim’¬
sche Quartett spielt so ziemlich Alles, vielleicht mit Ausnahme
der Werke der ganz modernen Russen, aber es hat eine
Eigenart, die höher steht, als alle momentanen äusserlichen
Erfolge, das ist die absolute Lauterkeit in Bezug auf die
Auffassung, eine Eigenart, die man jetzt, wo neun Zehntel
aller künstlerischen Bestrebungen nur auf den Effekt aus¬
gehen, nicht hoch genug anschlagen kann. Niemals wird
man bei Aufführungen des Joachim’schen Quartetts auch nur
den geringsten Versuch wahrnehmen, auf Kosten der Inten¬
tionen des Komponisten, durch übertriebene Tempi oder
dergleichen, Effekt zu machen.
Es ist das selbstverständlich in erster Linie auf seinen
Führer, Joseph Joachim, dem stets nur die Intentionen des
Komponisten und das Hehre der Kunst massgebend waren,
zurückzuführen. Allein, man darf darüber nicht vergessen, dass
wohl niemals ein Quartett bestanden hat, bei dem jede der vier
Stimmen so besetzt worden ist, wie hier. Es dürfte zunächst
30
J. Joachim. R. Hausmann. E. Wirth. de Alma.
Das Joaehim’sehe Quartett (Berlin).
wohl niemals einen solchen zweiten Geiger wie den
leider so früh verstorbenen liebenswürdigen de Ahna,
gegeben haben, der in dem Rufe stand, der bedeutendste
Interpret des Beethoven’schen Konzertes zu sein. (Nach
de Ahnas Tode wurde seine Stelle durch den ihm
gleichstehenden Herrn Konzertmeister Kruse und neuer¬
dings durch Herrn Professor Halir besetzt). Die zweite
Geige ist leider, so wichtig ihre Rolle ist, immer das
Stiefkind eines jeden Quartettes; es gehört zu ihrer
Besetzung, um nichts zu verderben, ein ausgezeichneter
Musiker, der aber nur wenig Gelegenheit hat sich aus¬
zuzeichnen. Wer nun so tüchtig ist, wirklich ausge¬
zeichnet zweite Geige zu spielen, dem genügt sie meist
nicht, er will die erste spielen, und seine Auffassung
durchsetzen. Das ist eine alte Erfahrung, die sich bei
vielen Künstler- Quartetten und bei allen Dilettanten-
Quartetten wiederholt, und so kommt es, dass die zweite
Geige meist mit einer verhältnissmässig schwachen Kraft
besetzt wird. Vorzügliche Violaspieler sind schon weniger
selten, schon weil die Viola-Stimme meist interessanter
ist, als die zweite Geige und es beinahe zur Tradition
geworden ist, dass man sich, wenn man Viola spielt,
nichts vergiebt (Mozart und Mendelssohn haben auch
Bratsche gespielt, sagt sich Jeder). Allein auch hierin
weist das Joachim’sche Quartett eine hervorragende
Erscheinung in Herrn Professor E. Wirth auf, der, ehe
er seinen Schwerpunkt auf das Lehren legte, ein aus¬
gezeichneter Solist war und noch ist, nur befasst er
sich jetzt selten mit Solospiel, da ihm seine ange¬
strengte Lehrthiitigkeit an der Hochschule dazu keine
Zeit lasst. Mit Herrn Professor R. Hausmann, einem
Meister seines Instrumentes, am Cello, gestaltet sich
dieses Quartett in der Besetzung der einzelnen Stimmen
als das vollendetste, das es bisher gegeben.
Wenn der Deutsche vom Joachim’schen Quartett
spricht, so versteht er das hier besprochene. Es giebt
aber noch ein zweites „Joachim’sches“ Quartett, nämlich
das Londoner, das Herr Professor Joachim in jedem
L. Ries.
A. Piattl.
Das Joaehim’sehe Quartett (London).
I
Jahre in den sogenannten „Monday Populär Concerts“, die leider eingegangen
sind, anführte und das nicht weniger bedeutend ist als das deutsche. Es bestand
im Anfang aus den Herren Professor Joachim, L. Ries, Webb und Alfred
Piatti. Später trat an Stelle des Herrn Webb Herr Ludwig Strauss ein, und
diese Zusammensetzung stellt unser Bild dar. '
Da Professor Joachim meist nur von Ende Januar bis Ende März in
London sein konnte, so haben in der ersten Hälfte der Saison verschiedene
Künstler an der ersten Geige gewirkt, u. A. Frau W. Normann-Neruda (Lady
Halle), Ysaye, Professor Kruse, etc.
Das erste Konzert der sogenannten Monday Populär Concerts fand am
14. Februar 1859 statt. Im Wesentlichen bestand das Streich- Quartett in den
ersten Jahren aus den Herren Joachim, Ries, Webb und Piatti, wobei aber in
der ersten Geige öfters Wechsel eintrat. Ausser Professor Joachim haben
Wieniawski, Vieuxtemps, Sainton, Molique, Sivori, Ludwig Strauss
und die schon erwähnte Wilma Normann-Neruda (Lady Halle) hier gewirkt
Als der Violaspieler, Herr Webb, starb, wurde dessen Stelle von den Herren
Doyle, Blagrove, Hollaender und zuletzt von Herrn L. Strauss übernommen, der
sie auch zuletzt noch inne hatte. Ununterbrochen während neununddreissig
Jahren hat Herr L. Ries die zweite Geige und eben so lange, nur mit einigen
Unterbrechungen Signor A. Piatti das Cello gespielt. In den letzten Jahren
wurde die erste Geige ziemlich gleichmässig durch Lady Halle und Professor
Joachim vertreten.
Auf dem hier gegebenen Bilde sehen wir auch Sir Charles Halle, den
Gatten der ersten Geigerin, der in England seit vielen Jahren ansässig war. Er
stand dort in dem Rufe ein ausgezeichneter Beethovenspieler zu sein.
Obgleich die Monday Populär Concerts wegen mangelnder Betheiligung
eingegangen sind, so ist doch das Quartett in den sogenannten Saturday
Populär Concerts geblieben und besteht jetzt aus den Herren Professor Joseph
Joachim oder Lady Halle (1. Violine), Haydn Inwards (2. Violine), Gibson
(Viola) und Paul Ludwig (Cello). Es hat daher eine vollständige Umwälzung
erfahren.
.U
L. Ries.
Lady Halle.
Sir Cb. Hallt.
L. Strauss.
A. Piatti.
Das Londoner Quartett
mit W. Normann-Neruda (Lady Halle) und Sir Charles Halle.
A Ehrlich. Da* Streich - Quartett
33
Das Dresdener Quartett
jj-'nter den deutschen Quartetten der Vergangenheit nimmt das Dresdener Quartett, welches
Jii] seiner Zeit aus den Herren Konzertmeister J. Lauterbach (i. Violine), Karl Hüllweck
SK (2. Violine), Göring (Viola) und Konzertmeister Fr. Grützmacher (Cello) bestand, einen
hervorragenden Rang ein. Die Thätigkeit desselben fallt im Wesentlichen in eine Zeit, in
der das reisende Quartett noch nicht so in Mode war wie heute, und in Folge dessen ist
dieses Quartett im grossen Publikum nicht so bekannt geworden wie manches andere, das sicherlich
nicht mehr Anspruch darauf hatte. Diese Quartett -Vereinigung wurde nach denselben Prinzipien geleitet
wie das Joachim’sche, d. h. es suchte seine Bedeutung nicht im Erfolge um jeden Preis, sondern in der
absoluten Lauterkeit seiner Auffassung. Keine gesuchten Effekte, keine übertriebene Tempi, mit einem
Worte keine Extravaganzen um Effekt zu machen, ein reiner, künstlerischer, unanfechtbarer Standpunkt,
der vielen anderen zu wünschen wäre. Das Dresdener Quartett dürfte übrigens eine Errungenschaft auf¬
zuweisen haben, die es wahrscheinlich mit keinem anderen theilt. Wie bekannt, ist der sächsische Hof
sehr musikalisch und der König von Sachsen hat grosses Interesse für Kammermusik. In Folge dessen
hat das Dresdener Quartett nicht weniger als 60 Mal „bei Hofe“ gespielt, was wahrscheinlich weder bei
einem andern Hofe noch bei einem andern Quartette vorgekommen sein dürfte.
J. Lautabach. K. HüUweck. L. G«rmS. Fr. GrüUmachrr.
Das Dresdener Quartett.
35
Das Stuttgarter Quartett.
begründet im Jahre 1 86 1 (erste Soiree am 26 Oktober) hat dieses Quartett im
Laufe der Jahre in seiner Zusammensetzung- mehriache Wandlungen durchge¬
macht. Nur der Gründer des Quartetts, Hoflconzertmeister Edmund Singer,
ist von der ersten Besetzung noch am Pulte und wirkt in ungeschwächter
Rüstigkeit weiter. Die erste Zusammenstellung bestand aus den Herren Ed in.
Singer (1. Violine), ein anerkannter Meister seines Instrumentes, Hofmusiker Barnbeck,
(2. Violine), Schüler von Spohr, Debuysere (Viola), Schüler von Molique, und Julius
Goltermann (Cello). Später übernahmen nach und nach die Herren Hugo Wehrle,
Professor Carl Wien und Krumbholz die zweite Geige, Viola und Cello. Sowohl in der
zweiten Geige wie beim Cello traten abermals Aenderungen ein, indem die erstere von Elerrn
Richard Ivünzel (Schüler von Professor Singer), das Cello von Herrn Cambisius und
zuletzt von Herrn Richard Seitz (Schüler J. Klengels) übernommen wurde.
Das Quartett giebt alljährlich vier bis sechs Soireen, spielte wiederholt beim württem-
bergischen Hofe und hat auch öfters Reisen unternommen. Unter der Leitung eines so
vollendeten Kunstmeisters , wie er sich in Edmund Singer darstellt, ist eine vollkommene
und mustergiltige Ausführung selbstverständlich.
Neben seiner Popularität beim Publikum erfreut sich diese Quartett -Vereinigung einer
ganz besonderen Beliebtheit bei Hofe. Dieselbe ist schon bei mehreren festlichen Gelegenheiten,
so bei der Vermälung des Kronprinzen von Rumänien, wie ebenfalls zur Feier der silbernen Hoch¬
zeit des Fürsten von Hohenzollern etc., aufgetreten.
.16
E Singer. R. Seitz.
C. Wien. R. Künzel.
Das Stuttgarter Quartett.
37
Das Meininger Quartett.
er gute Ruf, welcher den Meiningern auf andern Kunstgebieten zur Seite steht, erstreckt sich
auch auf die Pflege der Kammermusik. Die seit 1894 in nachfolgender Zusammensetzung
bestehende Quartett-Vereinigung wird gebildet durch die Herren Konzertmeister Bram
Eldering (1. Violine), August Funk (2. Violine), Alfons Abbas (Viola) und Carl Piening
(Cello). Herr Bram Eldering ist in Groningen (Holland) g'eboren. Er studirte zunächst bei
dem dortigen Herrn Poortman und später in Brüssel bei Jenö Hubay, erhielt dort den ersten Preis und
später die goldene Medaille mit höchster Auszeichnung. Darauf folgte er einem Rufe nach Budapest,
wo er zwei Jahre lang dem Hubay-Popper-Quartett als Violaspieler angehörte. Sodann studirte er noch
zwei Jahre bei Herrn Professor Joachim. Nachdem er einige Jahre dem Berliner Philharmonischen
Orchester angehört hatte, übersiedelte er 1894 nach Meiningen, daselbst die Stelle eines Konzertmei¬
sters bekleidend. Sein Vorgänger war dort Konzertmeister Fleischhauer.
Herr August Funk ist ein Coburger, wo sein Vater erster Hornist der Hofkapelle war. Er
genoss den Unterricht von Jacobi in Coburg und wurde dann Schüler des Konzertmeister Fleischhauer
in Meiningen. Seit 1872 ist Herr Funk Mitglied der Hofkapelle in Meiningen.
Herr Alfons Abbas, Sohn des ausgezeichneten Oboebläsers zu Liszts Zeiten, ist ein geborener
Weimaraner. Er war Schüler von August Kömpel daselbst. Im Jahre 1877 wurde Herr Abbas Mit¬
glied der Meininger Hofkapelle.
Des Quartetts Cellist, Herr Carl Piening, ist aus Bielefeld. Er studirte bei Carl Schröder in
Sondershausen und dann bei Professor Robert Hausmann (königliche Plochschule) in Berlin. Seit 1894
ist Herr Piening Solo-Cellist der herzoglichen Hofkapelle und Mitglied des Quartetts in Meiningen.
Im Jahre 1896 machte das Quartett in Verbindung mit dem ausgezeichneten Clarinettisten
Mühlfeld erfolgreiche Konzertreisen durch Belgien und Westdeutschland. Später trat es auch in Holland,
Antwerpen und in anderen Städten auf, überall reichsten Beifall findend.
B. Eldering. C. Picning. A. Abbas. A. Funk.
Das Mehliger Quartett.
39
Das Heckmann’sche Quartett.
n der Geschichte der deutschen Streichquartette spielt das Heckmann’sche durch seine aus¬
gedehnten Reisen eine ziemlich bedeutende Rolle. Heckmann war ein sehr tüchtiger
Efi| Geiger, wenn auch gerade kein hervorragender Virtuos und ein sehr energischer Charakter,
ES®' in Folge dessen das Zusammenspiel des Quartetts ein musterhaftes, von keinem andern
Quartett übertroffenes, vielleicht sogar kaum erreichtes war. Schade nur, dass die Auf¬
fassung Heckmanns nicht mit dieser musterhaften Technik auf einer Stufe stand. In seinem Bestreben,
wirkungsvolle Leistungen zu bieten, brachte er Nuancen an, die in den meisten Fällen überflüssig,
in vielen geradezu schädlich, um nicht zu sagen geschmacklos waren. Er mag bis zu einem gewissen
Grade hierin durch seinen Lehrer Ferdinand David, der leider in den letzten Jahren seiner Thätigkeit
beim Quartettspiel einer bedenklichen Neigung zum Effektmachen um jeden Preis verfiel, beeinflusst
worden sein. Allein David beschränkte das auf einzelne Effekt -Vortragsstücke, die es zur Noth vertrugen,
während Fleckmann nichts schonte. Hätte sich Heckmann, anstatt David, Joachim zum Muster
genommen, so wäre das Heckmann'sche Quartett vielleicht für alle Zeiten mustergiltig gewesen.
Das Quartett wurde im Jahre 1872 von Fleckmann in Köln gegründet und zwar im Verein mit den
Herren Otto Forberg (2. Violine), Franz Karges (Viola), Ferdinand Grüters (Cello) besetzt. Franz
Karges trat in Folge seiner Anstellung als Militärkapellmeister bald aus. Forberg übernahm die Viola und
Herr Wilhelm Allekotte trat als zweiter Geiger ein. Seine erste grössere Reise machte das Quartett
nach Altenburg im Jahre 1876 zur dortigen Tonkünstler -Versammlung, wo aber der Cellist Grüters schon
nicht mehr dabei war. An dessen Stelle war Herr Ludwig Ebert, der zugleich beim Quartett des
Kölner Gonservatoriums thätig war, eingetreten. 1878 erkrankte Flerr Wilhelm Allekotte und sein Bruder
Theodor trat ein. Inzwischen waren durch die Thätigkeit des Flerrn Ebert in zwei Quartetten, mancherlei
Reibereien entstanden, in Folge dessen im Jahre 1880 an Stelle desselben R. Bellmann als Cellist eintrat.
Später, 1891, siedelte Heckmann nach Bremen über, wo er ein neues Quartett gründete und zwar mit den
Herren Wittenberg, Pfitzner und Joh. Smith, dem
jetzigen fürstlichen Kammermusiker in Bückeburg. Heck¬
mann ist 1891 in Glasgow an der Influenza gestorben.
40
R. Ilcckmann. O. Forbcrg. F. Allekottc. R. Bellmann.
Das Heekmann’sehe Quartett.
A. Ehrlich. Da» Streich - Quartett.
41
6
Das Kölner Quartett
las „Kölner“ oder „Gürzenich“-Quartett, das s. Z. von Heckmann zwar nicht begründet wurde,
aber doch zuerst zu grösserer Berühmtheit gelangte, besteht heute aus den Herren Konzert¬
meister Willy Hess, Willy Seibert, Josef Schwartz und Friedrich Grützmacher jun.
und leistet nach Allem, was uns darüber bekannt geworden, Augezeichnetes. Leider war es
uns nie vergönnt, das Quartett selbst zu hören und müssen wir uns deshalb darauf beschränken,
einige Daten über die vier Herren mitzutheilen.
Herr Konzertmeister Hess ist ein geborener Mannheimer (14. Juli 185g) und zunächst Schüler
seines Vaters; er ging im Jahre 1865 mit seiner Familie nach New York; später kehrte er wieder nach
Europa zurück, konzertirte in Holland, Deutschland, Belgien, Frankreich und England, um schliesslich
noch beim Altmeister Joachim den letzten Schliff zu erhalten. Im Jahre 1878 wurde er als Konzertmeister
nach Frankfurt a. M. berufen, wo er acht Jahre blieb, um dann als Konzertmeister nach Rotterdam zu
übersiedeln und 1888 als Konzertmeister, Solist und Lehrer an das Hallö’sche Institut in Manchester zu
gehen. 1895 folgte er einem Rufe nach Köln als Konzertmeister, Lehrer am Conservatorium und erster
Geiger des Gürzenich-Streichquartetts. (Sein Instrument, eine J. B. Guadagnini 1745, steht, unter Kennern,
in dem Rufe das schönste existirende Exemplar der Geigen dieses Meisters zu sein.) Der zweite Geiger,
Schüler Joachims, lebte einige Zeit in Wien, wurde dann Lehrer am Conservatorium in Mainz, später
Konzertmeister in Wiesbaden und seit 1875 Lehrer am Conservatorium in Köln. Der Violaspieler, Herr
Josef Schwartz, ist ein ehemaliger Schüler des Kölner Conservatoriums (Japha und Hiller), seit vielen
Jahren Lehrer daselbst und Dirigent des Kölner Männergesangvereins. Herr Friedrich Grützmacher
endlich, Sohn Leopold Grützmachers in Meiningen und Neffe des Celloveteranen Friedrich Grützmacher,
königl. sächsischen Konzertmeisters und Kammer-Virtuosen in Dresden, ist geborener Meininger, war
Schüler seines Vaters und später seines Onkels, wurde 1885 nach Sondershausen in die fürstliche Kapelle,
1887 als Solo-Cellist nach Pest und 1893 nach Köln als Lehrer an das Conservatorium berufen.
42
W. Hess. F. Griitzmachcr. J. Schwartz. W. Seibert.
Das Kölner Quartett.
43
Das Frankfurter Quartett.
j|jp§l§|SS|§r|j|nter den deutschen Streichquartetten nimmt das sogenannte „Frankfurter“ unstreitig einen her¬
vorragenden Rang ein. Einer unserer ersten und musikalisch vornehmsten Geiger, Hugo
Heermann, ein Virtuos und Quartettspieler ersten Ranges, leitet dasselbe; Hugo Becker, der
Sohn Jean Beckers, spielt das Cello und die Mittelstimmen sind bei den Herren Bassermann und
“Ml Konzertmeister Naret-Koning in so vorzüglichen Händen, dass sich kaum ein besseres Ensemble
denken lässt. Bisher haben die Herren leider auf das Reisen in grösserem Massstabe verzichtet und im
Wesentlichen haben daher nur die Frankfurter den Genuss ihrer Leistungen.
Wollte man die heutigen deutschen Streichquartette klassifiziren, so würde man wohl das Frankfurter
Quartett als dasjenige bezeichnen können, das dem Muster für alle andern, dem Joachim’schen (Joachim,
de Ahna, Wirth und Hausmann) in der Art seines Vortrages am ähnlichsten ist, und etwas Besseres lässt
sich kaum über irgend ein Quartett sagen. Die modernen Verhältnisse, der Kampf um den Erfolg, künst¬
lerisch wie .materiell, bringen es mit sich, dass der Unterschied zwischen den Leistungen der verschiedenen
Quartett -Vereinigungen immer geringer wird; es gehört heutzutage schon eine bedeutende Erfahrung, ein
sehr gereiftes Ohr und ein vollständiges \rertrautsein mit den zum Vortrage kommenden Werken dazu, um
zu erkennen, ob und in welcher Richtung überhaupt das eine Quartett dem andern überlegen ist. Das gilt
natürlich nur von Quartett -Vereinigungen ersten Ranges, d. h. von solchen, bei denen alle vier Stimmen mit
ersten Kräften besetzt sind , die durch jahrelanges. Zusammenspiel sozusagen zusammengewachsen sind.
Dem Sinne für die Pflege der Kammermusik kann ein solches Nivelliren in den Leistungen nur dienlich sein,
und wir wollen zuversichtlich hoffen, dass dieser Sinn, welcher
in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht hat, immer
mehr um sich greifen möge, wozu das ausgedehnte Reisen der
verschiedenen Quartett -Vereinigungen in hohem Grade beiträgt.
44
i-i. BccJter.
r. i5assemiann.
x^urewvomng.
■ IUUUU
Das Frankfurter Quartett.
45
Das Halir-Quartett.
~W~
5 lag auf der Hand, dass ein so bedeutender Geiger, wie Karl Halir, bald nach seiner Berufung
nach Berlin als erster königl. Konzertmeister und Professor an der Hochschule, ein Quartett
zusammenstellen würde. Dasselbe besteht aus den Herren Halir (i. Violine), Gustav Exner
(2. Violine), Adolph Müller (Viola) und Etugo Dechert (Cello), und es ist wohl der einzige
Fall, bei dem die vier Mitglieder eines Streichquartetts von solcher Bedeutung Schüler eines
Instituts waren — der königl. Hochschule in Berlin. Professor Halir machte zwar seine eigentlichen Grund
legenden Studien in Prag am dortigen Conservatorium unter Professor Bennewitz, zog aber dann nach
Berlin, um dieselben unter Joachim zu vollenden. Von hier aus wurde er erster Geiger bei Bilse,
verbrachte einige Jahre in Italien, wurde dann Konzertmeister in Mannheim, drei Jahre später in Weimar,
worauf dann nach dem Tode de Ahnas seine Anstellung in Berlin erfolgte. Halir ist nach jeder Richtung
hin ein eminenter Geiger, der die gesammte Geigenliteratur beherrscht und über dessen Leistungen hier
etwas zu sagen überflüssig wäre. Es sei nur erwähnt, dass er in Russland, Deutschland, Paris, Amerika,
kurz überall wo immer er auftritt, grosse Erfolge erzielt.
Gustav Exner, der zweite Geiger, ist ein geborener Breslauer, machte seine ersten Studien unter
Schön und Lüstner und zog, 18 Jahre alt, nach Berlin, wo er an der Hochschule den Unterricht der
Herren Professor Joachim, E. Wirth und Rappoldi genoss. Er ist Lehrer des Kronprinzen, und das von
ihm ins Leben gerufene Trio (mit seiner Gattin Ingeborg geb. Erichsen und dem Cellisten Fr. Espenhahn)
hatte wiederholt die Ehre, bei Hofe zu spielen.
Adolph Müller, der Bratschist des Quartetts, ist aus Gerbstedt, Provinz Sachsen, war früher
Konzertmeister in Bernburg, ging aber zu seiner weiteren Ausbildung nach Berlin, wo er ebenfalls an
der Hochschule Unterricht bei Rappoldi und Joachim hatte.
Herr Hugo Dechert endlich ist ein Sachse aus Potschappel bei Dresden, zunächst Schüler des
Kammermusikers Tietz in Dresden und dann Hausmanns an der Hochschule in Berlin. Als Solist hat
derselbe ausgedehnte Reisen unternommen und ist Solo-Cellist an der königlichen Kapelle in Berlin.
4Ö
C. Halir. H. Dechert. A. Müller. G. Exacr.
Das Halir- Quartett.
47
Das Walter-Quartett (München).
n den Walter- Quartett besitzt die bayerische Residenz eine Künstler-Vereinigung, die einen
ganz bedeutenden Rang einnimmt. Die ausserordentlich feine Durchbildung dieses Ensembles
hat die ihm oft zu Theil gewordene Bezeichnung als Musterquartett mit Recht erhalten. Die
hohe Stellung verdankt das Quartett der Leitung eines berühmten und geehrten Kunstmeisters,
dem königlichen Konzertmeister und Professor Herrn Benno Walter. Er wurde 1847
als Sohn eines Stadtmusikers in München geboren. Des Knaben hohe Begabung, welcher sorgsamste
Pflege ward, bewirkte, dass derselbe bereits im Alter von 6 */2 Jahren, nach 2‘/2jähriger Vorbildung,
wiederholt auf der Hofbühne in München auftreten durfte. Die Folge dieses Auftretens war, dass der
Knabe, welcher, gleich Mozart, einen ebenso strengen als verständnissvollen Vater hatte, von seinem
7. bis 15. Jahre auf Kosten des Königs von Bayern seine musikalische Ausbildung erhielt. Auch die
Königin beschenkte ihn zur Erhöhung seines Eifers mit einer werthvollen Guarnerigeige. Im Alter von
1 5 Jahren wurde der gottbegnadete Kunstjünger bereits Mitglied der königlichen Hofkapelle und unter¬
nahm als solches aussergewöhnlich erfolgreiche Kunstreisen, die ihn durch Süd- und Norddeutschland,
Oesterreich, nach der Schweiz und nach denVereinigten Staaten von Nordamerika führten. Im Jahre 1871
beschenkten Mitglieder der Münchener Aristokratie ihn mit einer auf 3000 Gulden bewertheten Stradi¬
varigeige. Nach dem Tode seines ältesten Bruders, im Jahre 1875, erhielt er dessen Stellung als
Konzertmeister und als Professor an der königlichen Musikschule. In diesem Jahre übernahm er auch
die Leitung der Quartettsoireen, welche sein Bruder durch viele Jahre erfolgreichst innegehabt hatte.
Der Vertreter der zweiten Violine ist Herr königlicher Kammermusiker Hans Ziegler. Derselbe
gehört dem Quartett seit 1882 an. Die königlichen Kammermusiker Herren Ludwig Vollnhals (Viola)
und Franz Bennat (Cello) gehören, ersterer seit 1887, Herr Bennat seit 1888, der Quartett -Vereinigung an.
In München veranstaltet das Walter -Quartett alljährlich sechs Quartettsoireen. Die Programme
weisen klassische wie moderne Kammermusikwerke auf, welche mit gleicher Vollendung vorgeführt werden.
Die von Beifall gekrönten Konzertreisen des Quartetts, welche namentlich Süddeutschland zugute kommen,
wurden auch auf weitere Entfernungen ausgedehnt. Leipzig. Dresden, Mailand und andere Städte hatten
sich der herrlichen Leistungen des Walter-Quartetts zu erfreuen.
48
H. Ziegler.
Das Walter-Quartett (München).
A. Ehrlich. Das Streich - Quartett.
49
7
Das Hamburger Quartett.
— 'DLf'* —
s besteht zur Zeit aus den Herren Professor und Kammervirtuos F. Zajic (i. Violine), Konzert¬
meister I. Schloming (2. Violine), M. Löwenberg (Viola) und A. Gowa (Cello).
Professor Florian Zajic, aus Unhoscht bei Prag, war Schüler des Prager Conserva-
toriums (Müldener und Bennewitz). Von da trat er die Konzertmeisterstelle am Stadttheater
zu Augsburg an, war von 1871 bis 1881 in gleicher Stellung am Hoftheater in Mannheim
thätig, und von 1881 bis iS8g als erster Lehrer am Conservatorium in Strassburg. Von da siedelte er
nach Hamburg über, wo er Konzertmeister am Philharmonischen Orchester und Lehrer am dortigen
Conservatorium wurde. 1891 bis 1895 war er, als Nachfolger Saurets, Lehrer am Stern’schen
Conservatorium und seit 1895 in gleicher Eigenschaft am Klindworth-Scharwenka-Conservatorium in
Berlin. Herr Professor Zajic ist nach allen Seiten hin ein tüchtiger, solider Geiger, der seine Wirkung
weniger durch technische Bravourstücke erzielt als durch schönen Ton und guten Geschmack. Speziell
als Quartettspieler steht ihm eine bedeutende Erfahrung zur Seite.
Herr Konzertmeister Schloming aus Kiel war als Knabe ein Schüler Schradiecks, sowie des
Kölner Conservatoriums. Nach beendeten Studien unternahm er mehrere erfolgreiche Konzertreisen,
wurde dann Konzertmeister in Koblenz, Ems, Zürich und kehrte 1876 nach Hamburg zurück, wo er
seitdem als Konzertmeister im Philharmonischen Orchester und dann in gleicher Eigenschaft in den
Fiedler-Konzerten thätig war. Herr Schloming besitzt eine sehr schöne Geige von Carlo Bergonzi,
früher im Besitz von Hugo Wehrle in Stuttgart.
Michael Löwenberg und Albert Gowa sind geborene Hamburger. Der erstere ein langjähriges
Mitglied des früheren Bargheer’schen Quartetts sowie des Philharmonischen Konzerts, letzterer ein
Schüler Davidows (Leipziger Conservatorium) und Grützmachers in Dresden, sowie Mitglied des Philhar¬
monischen Orchesters. Herr Gowa hat sich als Solist auf vielfachen Konzertreisen einen ausgezeichneten
Namen gemacht.
50
; - -
M. Löwenberg. F. Zajic. J. Schloming. A. Gowa.
Das Hamburger Quartett.
51
Das Waldemar Meyer- Quartett.
ie Erfolge, welche das schnell zu hohem Ansehen gelangte Waldemar Meyer- Quartet auf
seinen Kunstreisen sich errungen hat, werden begreiflich, wenn man die künstlerische und
persönliche Qualifikation des Begründers dieser Quartett -Vereinigung, welcher die Seele des
Unternehmens ist, näher betrachtet. Der Führer des Quartetts, Herr Professor Waldemar
Meyer, 1853 zu Berlin geboren, vollendete seine musikalischen Studien an der dortigen
königlichen Hochschule und es wurde ihm von dem Altmeister, Herrn Professor Joseph Joachim, ein
glänzendes Zeugniss ausgestellt. Seine zahlreichen, von grossem Erfolge begleiteten Konzertreisen führten
ihn auch nach London, wo reiche Freunde seiner Kunst ihm jene 1716 für den König Georg I. von
England gebaute Stradivari -Geige (dieselbe war später im Besitze von Molique und dann eines Kunst-
Mäcens in München) zum Geschenke machten. Sein Streben galt der höchsten Ausbildung der idealsten
Musikgattung, dem Quartettspiel, und dieses Ziel hat er auch in verhältnissmässig kurzer Zeit erreicht.
Der zweite Geiger, Herr Max Heinecke ist 1864 zu Eisenberg, S.-A., geboren. Er verdankt seine
vielseitige musikalische Ausbildung vorzugsweise der Weimarer Musikschule (Professor Leopold Grütz-
macher). Nach vielfachen Konzertreisen siedelte er 1891 nach Berlin über. Der Vertreter der Viola, Herr
Dagobert Löwenthal, 1849 zu Königsberg geboren, war Zögling der Hochschule und mithin Schüler
der Herren Rappoldi, de Ahna und Joachim. Er hat längere Zeit in Königsberg als Lehrer und
Konzertmeister gewirkt, was allein schon dafür bürgt, dass die Bratschenstimme bei ihm in tüchtigen
Händen ist. Der Cellist des Quartetts, Herr Albrecht Löffler, ist am 16. August 1867 in Tilsit geboren.
Seine Lehrer waren insbesondere Heinrich Grünfeld, dann auch Professor R. Hausmann und der
königliche Kammermusikus Carl Philipsen. Im Jahre 1 894 war Herr Löffler Mitglied des Krasselt-Quartetts.
Publikum und Presse zollen den Leistungen des Quartetts, welches auch dem Neunen ein warmes
Herz entgegenbringt, ausserdem für die Popularisirung der Kammermusik eintritt und dabei stets dem
Idealen zugewandt bleibt, einmütigen Beifall.
52
W. Meyer, D. Löwenthal. A. Löffler, M. Hc'mccko.
Das Waldemar Meyer-Quartett.
53
Das Holländer-Quartett.
Nachdem Herr Professor Holländer im Jahre 1894 das Stern’sche Conservatorium in Berlin
übernommen, gründete er dort mit den Herren Willy Nicking, Heinrich Brandler und Leo
Schrattenholz ein Quartett. Nach Uebersiedlung der beiden letztgenannten Herren nach Hamburg
setzte er sein Quartett folgendermassen zusammen: Gustav Holländer (1. Violine), Willy Nicking
(2. Violine), Walther Rampelmann (Viola) und Anton Hekking (Cello).
Herr Professor Gustav Holländer ist ein geborener Schlesier (Loebschütz) und bewies schon in
früher Jugend seine bedeutende Begabung. Nachdem er das Leipziger Conservatorium besucht hatte,
siedelte er nach Berlin über und wurde Schüler der Hochschule, woselbst er ebenso wie die Herren
Nicking und Rampelmann bei dem Altmeister Professor Joachim studirte. Er wurde 1874 Mitglied des
königlichen Hofopernorchesters, 1881 Nachfolger O. von Königslöws als Konzertmeister der Gürzenich¬
konzerte und Lehrer des Kölner Conservatoriums. Im dortigen „Professoren-Quartett“ übernahm er an
Stelle des ausgetretenen Konzertmeister Japha, mit welchem er als Primgeiger schon vorher alternirt
hatte, die Leitung dieser Quartett -Vereinigung, worüber oben bereits Andeutungen gemacht wurden. Mit
seinem Quartett unternahm er von Köln aus von grossem Erfolge begleitete Konzertreisen in Deutschland,
Belgien, England, Italien und Dänemark.
Die Herren Willy Nicking und Walther Rampelmann, der zweite Geiger und der Bratschist des
Quartetts, sind ebenfalls Schüler der königlichen Hochschule zu Berlin und Mitglieder der königlichen
Kapelle daselbst.
Der Cellist Anton Hekking, ein geborener Holländer, machte seine ersten Studien im Alter von
zwölf Jahren unter Gieses Leitung am Conservatorium im Haag. Im Jahre 1876 trat er in das Pariser
Conservatorium ein, studirte dort unter Leon Jean Jacquard und errang daselbst zwei Jahre später den
ersten Preis. Im Jahre 1880 liess er sich in Berlin nieder und unternahm von hier aus zahlreiche erfolg¬
gekrönte Konzertreisen.
54
Das Holländer- Quartett.
G. Holländer.
W. Nicking.
W. Rampelmann,
55
Das Riller-Quartett.
4 *
?us der Thatsache, dass in den musikalisch bedeutsamen Grossstädten die Gründung
3 von Quartettvereinigungen sich vervielfacht, ist der erfreuliche Schluss zu ziehen, dass
i der Sinn für Kammermusik in immer weiteren Kreisen sich bemerklich macht. Es ist
3 diese Wahrnehmung sehr wohlthuend im Hinblick auf den sich hierdurch zeigenden
3 Feinsinn der Musikliebenden. Erwägungen vorstehender Art haben in Hannover zur
Gründung dieses zweiten Quartetts geführt, welches aus den Herren Riller (i. Violine), Meuche
(2. Violine), Kugler (Viola) und Lorleberg (Cello) besteht. Das Quartett, dessen Zusammenspiel
höchlichst gelobt wird, widmet, wie sich von selbst versteht, den klassischen Komponisten in erster
Linie grösste Berücksichtigung. Dass den wahrhaft bedeutenden neueren und neuesten Ton¬
werken die ihnen zukommende Beachtung geschenkt wird, zeigt ein Blick auf die Programme
der Quartett -Vereinigungen, welche die Namen Dvorak, Kauffmann u. a. aufweist. Herr Konzert¬
meister Riller, Mitglied der königlichen Hofkapelle in Hannover, hat sich als excellenter Geiger
in neuester Zeit namentlich durch den Vortrag des Richard Strauss’schen Violinkonzerts bekannt
gemacht. Die Kritik spricht sich mit hoher Anerkennung über die Leistungen des Quartetts aus.
Es wird die, höchsten Ansprüchen gerecht werdende musikalische Intelligenz, das vollkommene
Zusammenspiel, kurz das Vorhandensein aller zu harmonischer Wirkung nothwendigen Faktoren
gerühmt.
56
O. Rillcr.
R. Lorlebcrg. R« Kuglcr.
Das Riller-Quartett
B. Mouche.
A. Ehrlich. Das Streich - Quartett.
57
Das Hänflein-Quartett.
as herrliche Verdienst der klassischen Schule des Altmeisters Joachim beruht nicht zum
wenigsten in der Verpflanzung seines Stiles in der Kammermusik. Eine ansehnliche Zahl
seiner Jünger vermittelt nun seit Jahren einer grossen Musikgemeinde die genialen Eingebungen,
welche Hohepriester der Kunst allen, die sich daran erbauen wollen, zum Erbe gelassen haben.
Welche Vermittler können aber mehr berufen sein, als solche, die ihre Ausbildung einem
Meister verdanken, der im Streben nach dem Idealen sich selbst kaum genug thun kann.
Der Leiter des Elänflein- Quartetts ist der 1848 geborene königliche Konzertmeister Herr Georg
Hänflein. Er war 1861 — 64 Schüler Ferdinand Davids in Leipzig. In den Jahren 1866 — 71 sehen
wir Hänflein als kaiserlich russischen Kammermusiker an der italienischen Oper in St. Petersburg. Vom
Jahre 1871 — 74 studirte er bei LIerrn Professor Joachim und folgte darauf einem Rufe als Konzertmeister
an die königliche Oper nach Hannover. Hier widmete er seit dieser Zeit seine Kraft auch dem Vereine
für Kammermusik.
Herr Hugo Piening (2. Violine) aus Bielefeld machte seine Studien zunächst bei Hofkapellmeister
Professor Gulomy in Bückeburg und dann am Leipziger Conservatorium unter Henry Schradiecks Leitung.
Seit 1891 gehört Herr Piening dem königlichen Orchester als erster Geiger an, und im Jahre 1893 trat
er dem Vereine für Kammermusik bei.
Der Bratschist des Quartetts, Herr Eduard Kirchner aus Verden, trat bereits in seinem fünf¬
zehnten Jahre in die hannoversche Armee als Hautboist ein und kam im Jahre 1860 als erster Geiger
an die königliche Kapelle zu Hannover, zugleich die Stellung eines Stabstrompeters in der Armee bei¬
behaltend. In der königlichen Kapelle hat er die 1875 übernommene Stelle des Solo -Bratschisten noch
jetzt inne.
Herr Emil Blume (Cellist) aus Hannover ist Mitglied des königlichen Hofoperntheater-Orchesters
seiner Vaterstadt. Seine Ausbildung genoss er bei dem vortrefflichen Cellisten August Lindner, dessen
Platz als erster Cellist er jetzt inne hat.
58
mti iui/ wah
m fff t(p)
G. Häuflein.
E. Blume.
E. Kirchner.
Das Hänflein- Quartett.
H. Piening.
59
Das „Böhmische“ Streich- Quartett.
pjjnter allen reisenden Quartetten hat wohl keines in so kurzer Zeit dieselben Erfolge erzielt wie
[jl das sogenannte „Böhmische“, das aus den Herren Karl Hofmann (i. Violine), Joseph Suk
S (2. Violine), Oscar Nedbal (Viola) und Hans Wihan (Cello) besteht. Und in der That
! leisten dieselben Ausgezeichnetes, zum Theil sogar Hervorragendes. Speziell der Vortrag der
1] Werke von Dvorak und Smetana (Aus meinem Leben) sind Glanzleistungen allerersten Ranges,
die wohl in dieser Auffassung und technischen Vollendung zugleich von keinem andern Quartette geboten
werden. Damit soll durchaus nicht etwa gesagt sein, dass das Quartett nicht auch auf anderem Gebiete
Vortreffliches leistet, der Vortrag des grossen Es dur-Quartetts von Beethoven, op. 127 z. B. erschien mir
sogar als die vollendetste Quartettleistung, die ich überhaupt gehört habe. Dagegen scheint mir der
naive Humor Haydns weniger dem Naturell der vier Herren zu entsprechen.
Bei den meisten Quartetten macht sich ein Hervortreten des ersten Geigers bemerklich; das fehlt
beim Böhmischen Streich -Quartett vollständig. Herr Hofmann zeigt hierin eine Bescheidenheit, die den
Zuhörer fast zu der Frage veranlasst, ob sie in diesem Masse gerechtfertigt ist, denn es liegt bis zu
einem gewissen Grade in der Natur des Quartetts, dass die erste Geige, die in thematischer und melo¬
diöser Beziehung in den weitaus meisten Fällen führend auftritt, mehr als die andern drei Instrumente
hervortreten muss. Im Uebrigen kann man von den vier Herren nur sagen, dass Jeder seine Stimme
mit absoluter Meisterschaft zur Geltung bringt und, was noch mehr sagen will, Jeder ist bestrebt, Den¬
jenigen, der gerade etwas zu sagen hat, zur Geltung kommen zu lassen. Ich erinnere mich nicht,
das bei irgend einem Quartette in dem Masse bemerkt zu haben, wie bei den „Böhmen“.
Die Erfolge der Herren sind denn auch, ihren Leistungen entsprechend, überall wo sie hinkommen,
grossartige. Hoffen wir, dass sie noch recht lange beisammen bleiben werden, und dass sie, durch das
fortwährende Wiederholen derselben Werke nicht dazu verführt werden, neue „Nüancen“ einzuführen.
60
K. Hofmann. J. Suk.
Das Böhmische
H. Wihan. O. Nedbal.
Streich -Quartett.
61
Das Budapester Quartett
75]as mächtige Aufblühen der ungarischen Hauptstadt hat auch in
® musikalischer Beziehung die besten Früchte getragen. Als im Jahre
IJj 1886 Jenö Hubay und David Popper an die dortige Musik -Akademie
ü! berufen wurden, waren die beiden Hauptbedingungen für ein Streich-
_ iS quartett gefunden, wie es sehr selten zusammengestellt worden ist.
Jenö Hubay, ein Schüler Joachims und Vieuxtemps’, der schon in jungen
Jahren als Nachfolger Wieniawskis an das Brüsseler Conservatorium berufen
wurde, ist nicht nur ein Geiger ersten Ranges, der über einen prachtvollen Ton
und eine nach allen Seiten hin vollendete Technik verfügt, sondern auch ein
ausgezeichneter Musiker und Komponist, dessen Opern „Der Dorflump“ und
„Der Geigenmacher von Cremona“ an vielen Bühnen einen wohlverdienten Erfolg
errungen haben. David Popper andererseits ist einer der wenigen absoluten
Meister seines Instrumentes, dessen effektvolle Kompositionen für sein Instrument
alle Cellisten der Welt beherrschen und in dessen Spiel sich das Feuer der
Jugend mit der gereiften Kunst der Erfahrung zu höchster Vollendung ver¬
schmolzen erscheinen. Bei den Herren Victor von Herzfeld (2. Violine),
der als Professor der Theorie und Kompositionslehre an der Landesmusik¬
akademie wirkt, und Josef Waldbauer (Viola) sind die Mittelstimmen in den
besten Händen. Dieses Quartett geniesst den seltenen Ruhm, dass der ver¬
storbene Meister Brahms es für eine der besten Quartett-Vereinigungen hielt,
die es giebt, und dass dieser nach Vollendung eines neuen Werkes oft nach
dem benachbarten Budapest eilte, um seines Geistes Kind unter persönlicher
Mitwirkung zum ersten Male der Oeffentlichkeit vorzuführen. Die Kammermusik-
Soireen der Gesellschaft erfreuen sich der verdienten Gunst der besten musikali¬
schen Kreise der Hauptstadt. Wer die Zelebritäten des Budapester sozialen
Lebens versammelt sehen will , braucht nur zu einem Hubay - Popper’schen
Quartett-Abend zu gehen.
7P
CM*»
62
J. Waldbauer. V. v. Herzfcld. J. Hubay. D. Popper.
Das Budapester Quartett.
63
Das Petersburger Quartett.
selten hört man jetzt die Behauptung: „Die Zukunft gehört den Slaven“, und wenn man
@ die Erscheinungen der neuen Zeit auf musikalischem Gebiete betrachtet, so könnte man fast
§ versucht sein, der Behauptung, wenigstens in Bezug auf die Musik, beizustimmen. Rubinstein,
3 Tschaikowsky, Dvorak, Smetana , Borodin etc. sind zweifellos Erscheinungen, die an ursprüng-
ß lichem originalen Talent viel bedeuten. Nur eines fehlt den Slaven — die Selbstkritik. Sie
haben enormes Talent, aber sie unterziehen das, was sie schreiben, nicht einer gehörigen scharfen Be-
urtheilung, sie feilen nicht, und so kommt es, dass die meisten slavischen Werke, wenigstens auf
musikalischem Gebiete, denselben Fehler aufweisen — - eine bei dem grossen Talente der Betreffenden
geradezu verblüffende Ungleichheit im Werthe ihrer Werke. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die
Zukunft, nachdem die gründliche musikalische Bildung bei den Slaven eine allgemeine geworden sein
wird, diesen Fehler beseitigt und darin liegt bis zu einem gewissen Grade die Berechtigung der Behaup¬
tung: „Die Zukunft gehört den Slaven“.
Die Vorbedingung für das Entstehen grosser, in der Geschichte der Musik wirklich unentbehr¬
licher Glieder ist bei den Slaven und speziell bei den Russen vorhanden. Die Musik ist populär und die
besseren Klassen, durch Reisen und fortwährende Besuche der ersten Künstler Europas gebildet, ergeben
ein begeistertes Publikum für die besten Leistungen auf dem Gebiete der ernsten Musik. Selbst die
ernsteste Form, die Kammermusik, hat in Russland ein begeistertes Publikum. Das Petersburger Streich-
Quartett der Herren Professor L. Auer, C. Krüger, S. Korgueff und A. Werzbilowitsch dürfte nach
uns zugegangenen Berichten wenige Rivalen haben und, wenn man bedenkt, dass es unter Führung
Leopold Auers, eines Geigers, wie es kaum einen zweiten giebt, steht, so kann das nicht Wunder nehmen.
Wir können nur bedauern, dass die Herren uns bisher nicht Gelegenheit gegeben haben, sie zu bewundern.
Sie w'ürden in Deutschland sicherlich die wohlverdiente Anerkennung finden.
64
S. KorgucfF. E. Krüger. A. Werzbilowitsch. I.. Auer.
Das Petersburger Quartett.
A. Ehrlich. Das Streich - Quartett.
65
0
Das Warschauer Quartett.
ie Pflege der Kammermusik im Centrum der polnischen Intelligenz kann nicht Wunder nehmen.
Gleich den anderen slavischen Nationen haben sich die Vertreter des Polenthums stets durch
hervorragende Musikbegeisterung ausgezeichnet. Es war unausbleiblich, dass auf dem Gebiete
der Kammermusik, wo die poetische Empfindung' sich mehr als irgendwo entfaltet, auch Her-
orragendes geleistet wurde und sich dafür beim Publikum das entsprechende Interesse zeigte.
Das Warschauer Quartett besteht aus den Herren Stanislaw Barcevicz (i. Violine), Emil
Stiller (2. Violine), Jan Jakowski (Viola) und Anton Cink (Cello).
Der Gründer der Quartett -Vereinigung, Herr Stanislaw Barcevicz, wurde am 16. April 1858 in
Warschau geboren. Schon in seinem elften Lebensjahre konnte er sich mit einem Konzert von de
Beriot öffentlich hören lassen. Er besuchte zu seiner weiteren Ausbildung das Conservatorium in
Moskau, wo Ferdinand Laub und Adalbert Hrimaly seine hervorragendsten Lehrer waren. Er absolvirte
dasselbe im Jahre 1S77 und erhielt die goldene Medaille. Im Jahre 1885 wurde er Professor am Conser¬
vatorium seiner Vaterstadt und 1893 Dirig'ent der Oper und der Konzerte ebendaselbst.
Herr Emil Stiller, ein geborener Breslauer, studirte daselbst bei Moritz Schoen und Dr. Leopold
Damrosch, später in Leipzig bei Ferdinand David. Seine jetzige Stellung ist die eines Konzertmeisters
am ,. Grossen Theater“. Als Quartettist wirkte er vordem in den Quartetten von Johann Anger, Sig. Nos-
kowski und Joseph Wieniawski.
Herr Jan Jakowski aus Warschau beendete seine Studien am Warschauer Conservatorium unter
Professor Wladislaw Görski im Jahre 1885. Später studirte er noch drei Jahre bei Professor St. Barcevicz.
Im Jahre 1888 wurde er, ebenso wie seiner Zeit Herr Stiller. Professor am Conservatorium in Warschau.
Herr Anton Cink aus Pribram in Böhmen besuchte das Prager Conservatorium und studirte unter
Professor Franz Xaver Hegenbart. Seit tSqi wirkt er in Warschau als Professor am Conservatorium
und als Solo-Cellist am Theater. Die Mitglieder des Quartetts haben sich, was namentlich Herrn Professor
St. Barcevicz betrifft, auf vielfachen Konzertreisen auf das Vortheilhafteste bekannt gemacht.
66
Das Warschauer Quartett.
67
Das Bologneser Quartett.
= hat ziemlich lange gedauert, bis sich in Italien das Publikum soweit
von der alles erdrückenden Oper emanizipirt hat, um auch an Kam¬
mermusik Geschmack zu finden und bis etwa Mitte oder Ende der
6oer Jahre stand die Pflege und Kenntniss derselben in Italien aut
ssSI einer sehr niedrigen Stufe. Im Jahre 1862 erklärte mir ein Florentini-
scher Musikalienhändler kategorisch: von Cherubini (der ein Florentiner war und
dem sie ein Denkmal setzen wollten) existirten keine Streichquartette und
der erste Florentinische Geigen -Professor wusste nichts von der Tartini’-
schen Teufelssonate! Das hat sich nun allerdings namentlich in den letzten
15 bis 20 Jahren gewaltig geändert und der Geschmack an Kammermusik greift
auch in Italien immer mehr um sich. Dazu hat in erster Linie Abramo Basevi,
ein verdienstvoller Livorneser, der in Florenz als Redacteur der Musik-Zeitschrift
Boccherini lebte, beigetragen. Auch er war zunächst Opern-Komponist, begrün¬
dete die erwähnte Zeitschrift, sowie die sogenannten Beethoven-Matineen, welche
später zur Gründung der Societä del quartetto führte. Er setzte alljährlich
einen ansehnlichen Preis für die beste Quartett-Komposition aus und regte
damit das Interesse für Kammermusik mächtig an. Es haben auch mehrere
deutsche Komponisten diesen sogenannten Basevi- Preis errungen. Fleute be¬
stehen in Rom, Florenz, Mailand, Bologna etc. anerkannt gute Ouartett-Vereini-
gungen und unter diesen dürfte das sogenannte Bologneser Quartett eines der
besten sein. Es besteht aus den Herren F. Sarti (1. Violine), A. Massarenti
(2. Violine), A. Consolini (Viola) und F. Serato (Cello), Vater des auch in
Deutschland bekannten Geigers A. Serato, und leistet nach Aussage der be¬
rufensten Stimmen, im Vortrage der klassischen Quartette, Ausgezeichnetes.
68
F Sani.
F. Serato.
A. Massarcnti. A- Consoliai.
Das Bologneser Quartett.
69
Das Triester Quartett.
„priest geniesst, wenigstens bei uns im Norden, eigentlich nicht den Ruf, eine besonders musi-
kalische Stadt zu sein, und doch beweist der Umstand, dass ein vorzügliches Quartett schon
J seit 40 Jahren dort besteht und gedeiht, dass der Sinn für gute ernste Musik in der anspruchs¬
losesten Form ein sehr reger sein muss. In Herrn Joseph Heller hat aber Triest auch einen
*5 Quart ettspieler, wie es wenige geben wird, und die Vielseitigkeit seiner Programme beweist
am besten, mit welcher Umsicht und Kenntniss aller neu erscheinenden Werke von Bedeutung er seine
Soireen zu leiten versteht.
Das Quartett besteht aus den Herren Julius Heller (1. Violine), der langjährige Kapellmeister
des „Schiller-Vereins“, Guido Eckhardt (2. Violine), Menotti Bemporat (Viola) und Arturo Cuccoli
(Cello). Herr Heller ist ein geborener Ungar und Schüler des Wiener Conservatoriums (Hellmesberger).
Herr Eckhardt ist ein Schüler Massarts in Paris, und Herr Bemporat ist ein Schüler des Herrn J. Heller.
Beide sind geborene Triester. Herr Cuccoli endlich ist in Bologna geboren und Schüler des Herrn
Serato, den wir auf dem Bilde des Bologneser Quartetts wiederfinden.
Während der 40 Jahre seines Bestehens hat auch dieses Quartett viele Wandlungen durchge¬
macht; vier Cellisten, neun zweite Geiger und zehn Bratschisten! Nur der Stamm, der erste Geiger, ist
geblieben, und wir wollen hoffen, dass er den Triestern noch recht lange erhalten bleibt.
Das Quartett giebt während der Saison vier Soireen und zeigt in seinen Programmen, wie schon
erwähnt, eine Vielseitigkeit, die manchem norddeutschen Quartett zu wünschen wäre.
70
A. Cuccoli. G. Eckhardt. J. Heller. M. Bemporat.
Das Triester Quartett.
71
Das Brüsseler Quartett
gas Quartett Schörg in Brüssel besteht aus den Herren Franz Schörg (i. Violine), H. Daucher
3 (2. Violine), P. Miry (Viola) und J. Gaillard (Cello). Es ist eine eigentümliche Erscheinung,
3 dass es einem Deutschen Vorbehalten blieb, in Brüssel, dessen Bewohner in Bezug auf
3 Geschmacksrichtung und Sympathien sicherlich den Franzosen verwandter sind als uns, ein
ä Quartett zu gründen und mit so olfenbarem Erfolge weiterzuführen. Herr Schörg ist ein
geborener Münchener, Schüler des dortigen Conservatoriums und später Ysayes in Brüssel. Nach
achtmonatigem Aufenthalt in Brüssel erlangte er den ersten Preis und ging dann mit der Sängerin
Albani auf eine grössere Konzerttour. Der zweite Geiger, Herr Plans Daucher, ist ebenfalls ein
Bayer (aus Nürnberg), auch Schüler des Münchener Conservatoriums und später Ysayes. Herr Paul
Miry aus Gent ist Schüler des Brüsseler Conservatoriums, wo er preisgekrönt wurde. Er machte von dort
aus ausgedehnte Kunstreisen durch ganz Frankreich und Spanien. Herr Jaques Gaillard ist ebenfalls
geborener Belgier. Man rühmt an dem Quartett besonders den vollen, saftigen Ton, der von demselben
entwickelt wird, sowie die tadellose Auffassung. Dass es im Zusammenspiel und in technischer Beziehung
tadellos ist, braucht man heutzutage gar nicht mehr zu erwähnen, da dies bei der heutigen Konkurrenz
selbstverständlich ist. Wie ich aus ihren Programmen ersehe, befleissigen sich die Herren in höchst
rühmenswerther Weise einer grossen Vielseitigkeit. Sie spielen selbstverständlich die Klassiker, bringen
aber auch ganz moderne Sachen, wie Cesar Frank, Glazounow etc., was vielen andern Quartett-
Vereinigungen sehr zur Nachahmung empfohlen werden kann.
72
A. Ehrlich. Das Streich -Quarteft.
Fr. Schürf. P. Miry.
J. Gaillard. H. Daucher.
Das Brüsseler Quartett.
73
IO
Das Richard Gompertz- Quartett.
bei den dortigen Conservatoriums-Lehrern Franz Derkum und Otto von Königslöw. Mit sechzehn
Jahren wurde er Schüler Joachims (Berliner Hochschule). Im Jahre 187g unternahm er in Deutschland
erfolgreiche Konzertreisen und erhielt hierauf einen Ruf nach Cambridge als residirender Konzertmeister
und Lehrer. Im Jahre 1884 wurde Herr Gompertz Lehrer und im Jahre 1890 ordentlicher Professor
an dem Royal College of Music in London. Herr Gompertz hat sich auch als Komponist von Sonaten,
Violinkonzerten und Liedern bekannt gemacht.
Mr. Haydn Inwards wurde 1865 zu Luton (Grafschaft Bedford) geboren. Seine im neunten
Lebensjahre beginnenden Violinstudien setzte er später bei Sainton fort. Im Jahre 1893 trat er in das zu
dieser Zeit vom Prinzen von Wales eröffnete Royal College of Music, woselbst er dann als Lehrer wirkte.
Herr Emil Kreuz ist 1867 zu Elberfeld geboren. Er machte seine Studien vom zehnten bis
zum fünfzehnten Lebensjahre unter Georg Japha in Köln und setzte dieselben im Jahre 1883 am Royal
College of Music fort. Es sind von ihm auch zahlreiche Kompositionen im Druck erschienen.
Mr. Charles Ould ist in Rumford (England) geboren und kam als Kind nach London. Sein
Lehrer war der belgische Cellist Guillaume Paque.
Wie aus höchst anerkennenden Berichten angesehenster Londoner Zeitungen hervorgeht, lassen
die Leistungen des Quartetts in Bezug auf Auffassung und grösste Präzision keinen Wunsch übrig. Die
liebevollste Wiedergabe erfahren nicht nur die Werke der Klassiker allein, es wird auch neueren bedeu¬
tenden Kompositionen, so denen von D vor 4k, Tschaikowsky und anderen, die vollendetste Interpretation
zu Theil. Eine Spezialität des Quartetts bilden namentlich auch die späteren Beethoven’schen Quartette.
1896 führte das Gompertz- Quartett die ganze Serie der Beethoven’schen Quartette einschliesslich der
grossen Bdur-Fuge auf. Das perfekte Ensemble des Quartetts erregte viel Aufsehen.
A
=äf9jas itn Jahre 1888 gegründete Richard Gompertz- Quartett, welches vor der Zusammensetzung,
™ wie sie nebenstehend gegeben wird, mehrmaligem Wechsel unterworfen war, wird gebildet
gxi durch die Herren Richard Gompertz (1. Violine), Haydn Inwards (2. Violine) Emil Kreuz
(Viola) und Charles Ould (Cello).
-'”-*■'1 Herr Richard Gomoertz ist 18 so in Köln rrehoren. Seine Violinstudien machte er
74
R. Gompcriz. H. Inwards. Ch. Ould. E. Kn uz.
Das Gompertz-Quartett.
75
Das Shinner-Quartett.
^t5^P~^S^achdem sich die Damen in den letzten Jahren mit Macht auf das Studium der Streichinstrumente
ci — geworfen haben, konnte es natürlich nicht ausbleiben, dass sie auch Quartett spielen. Immerhin
|| ist aber gerade auf diesem Felde das Vordringen des weiblichen Geschlechts nicht so erfolg-
reich gewesen wie auf dem des Virtuosenthums, denn es giebt, meines Wissens, bei uns,
^xo^ssaSiS, resp. in Oesterreich nur ein Damen -Streichquartett, nämlich das der Frau Soldat-Roeger
in Wien, und selbst dieses war nicht das erste, denn schon im Jahre 1886 wurde von Fräulein Emily
Shinner in London das sogenannte Shinner-Quartett gegründet, welches aus den Damen E. Shinner
(1. Violine), Miss Lucy Stone (2. Violine), Miss Cecilia Gates (Viola) und Miss Florence Hennings
(Violoncell) besteht. Fräulein Shinner (jetzt Mrs. Liddell) ist eine anerkannt tüchtige Schülerin Professor
Jacobsens und Joachims an der Hochschule in Berlin gewesen.
Fräulein Stone ist eine Schülerin Singers in Stuttgart, des Pariser Conservatoriums (Maurin) und
des Royal College of Music in London (Gompertz).
Fräulein C. Gates ist eine Schülerin Saintons (Royal Academy of Music) und spielt sowohl Violine
als auch Viola und Violoncello. Sie ist Lehrerin an der Guildhall School of Music. Ueber Fräulein
Ilennings fehlen leider eingehende Daten, nur das steht fest, dass auch sie, wie die andern drei Damen,
eine Engländerin pur sang ist.
Wir haben leider in Deutschland noch nicht Gelegenheit gehabt dieses Quartett zu hören und
können daher ein Urtheil über seine Leistungen nicht abgeben. Es tritt aber in England, wo sie durch
die Vorführungen der Quartette Joachims, W. Pless’, Kneisels, des Böhmischen Streich -Qartetts etc.
auch wissen was gut Quartett-Spielen heisst, so oft
und so erfolgreich auf, dass über ihre jedenfalls sehr
tüchtigen Leistungen wohl kein Zweifel bestehen kann.
7b
E. Shinncr (Mrs. Liddcll). L. Stone. C. Gates. F« Hennings.
Das Shinner-Quartett.
77
Das Kneisel- Quartett
h jenseits des Atlantischen Ozeans wird fleissig Quartett gespielt, und wenn die Pflege der
Kammermusik dort auch nicht so allgemein ist wie bei uns, so macht sie doch bedeutende
Fortschritte. Eines der ständigen amerikanischen Quartette ist sogar herüber gekommen
und in London mit gutem Erfolge aufgetreten. Es ist allerdings nur in sofern amerikanisch,
als die Mitglieder drüben wohnen und engagirt sind. Sie sind aber Europäer und zwei
davon Deutsche. Der erste Geiger, Herr Alfred Kneisel, ist ein Rumäne, in Bukarest von deutschen
Eltern geboren. Er war Schüler von Professor Grün in Wien und hat sich schon am Conservatorium
besonders ausgezeichnet. Dann wurde er als erster Geiger im k. k. Hofopern-Orchester angestellt, wo
er drei Jahre blieb. Darauf wurde er Mitglied der Bilse’schen Kapelle und seit 1885 ist er Konzert¬
meister des in Amerika grossen Ruf geniessenden Symphonie-Orchesters in Boston, dessen Kapellmeister
später Arthur Nickiseh wurde, welcher Paur zum Nachfolger hatte.
Der zweite Geiger, Herr Otto Roth ist ein Wiener Kind, und wie Herr Louis Svecenski
(ein Kroat) Schüler des Professor Grün am Wiener Conservatorium, von wo aus er sofort nach Boston
engagirt wurde, woselbst er jetzt als Bratschist des Symphonie-Orchesters thätig ist.
Der Cellist endlich, Herr Alwin Schröder (Bruder des Direktors des Sondershausen’schen
Conservatoriums, Karl Schröder), den wir auf einem andern Quartette (Petri) wiederfinden, ist ein in
Deutschland bekannter Künstler, der neben Julius Klengel zehn Jahre lang am „Gewandhaus“ und am
Leipziger Conservatorium angestellt war. Er war zuerst Geiger und Schüler von de Ahna und Joachim.
Erst im 19. Jahre entschloss er sich „umzusatteln“, und ist binnen verhältnissmässig kurzer Zeit einer
der ersten deutschen Cellisten geworden, an dessen Spiel besonders die Schönheit und Grösse seines
Tones hervorzuheben ist. Seit 1 89 1 ist er ebenfalls, und zwar als erster Cellist, bei dem Bostoner Orchester
angestellt.
78
A. Schröder.
L. Sveccnski.
Das Kneisel- Quartett.
79
Das Dannreuther- Quartett.
jj ^WgVbwohl die Pflege der Kammermusik in Amerika nicht annähernd eine so rege ist, wie bei
UnS’ S° ^’n^t s'e t'oc'1 an gewaltig um sich zu greifen. War doch sogar kürzlich davon
Lp die Rede , dass sowohl das Joachim’sche wie das Böhmische Quartett für eine grössere
SSj/fi';- Tournee in den Vereinigten Staaten engagirt seien. Beides scheint sich aber doch wieder
ci zerschlagen zu haben.
Noch weit älter als das eben besprochene Kneisel-Quartett ist das sogenannte Dannreuther-
Quartett unter Führung des Herrn G. Dannreuther (Bruder des in London lebenden ausgezeichneten
Pianisten und Musikschriftstellers E. Dannreuther), das seit vielen Jahren regelmässige Kammermusik-
Soireen veranstaltet und durch diese wacker an der musikalischen Bildung der Amerikaner gearbeitet hat.
Da wir die betreffenden Herren nie spielen hörten, können wir keinen Vergleich mit anderen Quartetten
anstellen, allein der ausgezeichnete Ruf, den das Quartett geniesst, sowie die Regelmässigkeit ihrer
Soireen lassen darauf schliessen, dass sie Ausgezeichnetes leisten, und in einem Punkte sind sie
vielen unserer deutschen Quartette „über“, nämlich in ihren Programmen.
Bei diesem Quartette kommt auch das Moderne zu seinem Rechte; die Programme zeigen
nicht, wie so viele unserer einheimischen, einen ewigen Kreis von Beethoven -Mozart, Beethoven -Haydn,
Beethoven- Schubert, und wenn’s gut geht einmal Beethoven-Schumann. Nichts Modernes, was eine
Berechtigung hat, geht vorüber, ohne dass das Dannreuther-
Quartett es zu Gehör brächte. Dasselbe besteht zur Zeit
aus den Plerren G. Dannreuther (i. Violine), E. Schenk
(2. Violine), O. Schill (Viola) und J. Kovarik (Cello).
80
m
G. Dannrcuthcr. E. Schenck. 0. Schill. J. Kovarik.
Das Dannreuther- Quartett.
A. Ehrlich. Das Streich -Quartett,
8 1
Das Römische Quartett
Jas Band der Kunst, wodurch die Herzen der Nationen verbunden werden, ist kein „schwaches
I Rosenband“. In der Musik besonders haben, was Deutschland und Italien anlangt, die
Deutschen die starke Seite der italienischen Komponisten neidlos anerkannt. Der dem deut¬
schen Publikum innewohnende Gerechtigkeitssinn findet in diesem Falle auf der andern Seite
1 ein gleiches Entgegenkommen. Der intelligenteste Theil der italienischen Tonkünster hat den
Musikheroen bei seinen Landsleuten die Wege geebnet, und wie viel Selbstlosigkeit und
Energie solche That voraussetzt, lässt sich nach dem Gelingen solchen Strebens schwer ermessen. Dem
„Quartetto romano“ ist ein gut Theil dieses Verdienstes ohne weiteres zuzusprechen. Es besitzt nicht
allein die künstlerischen Fähigkeiten, welche zu einem vollständigen Erfolge unerlässlich sind, sondern
auch die ebenso nöthige Thatkraft. Beide Eigenschaften sind bei dem Quartett in höchstem Masse vor¬
handen. Es setzt sich die Quartett- Veieinigung aus folgenden Herren zusammen: Cav. Tito Monachesi
(i. Violine), Cav. Vincenzo Desanctis (2. Violine), Cav. Romolo Jacobacci (Viola) und Gaetano
Morelli (Cello). Das Quartett bildet den Hauptbestandtheil des berühmten Quintetts Ihrer Majestät der
Königin von Italien. Dessen Stiftung erfolgte mit königlichem Dekret vom Jahre 1893- Es untersteht
der Leitung Sgambatis, des ausgezeichneten Komponisten und Clavierspielers, und hat die Privatkonzerte
bei Flofe auszuführen. Die obengenannten Professoren Monachesi, Jacobacci und Desanctis lehren seit
vielen Jahren am Lyceum der Hauptstadt und geniessen einen hohen Ruf. Gewiss ist, dass die besten
Elemente des römischen Orchesters aus ihrer Schule hervorgegangen sind.
In Folge der Initiative des berühmten Meisters Marchetti wurden bei Hofe Beethovens sämmt-
liche Kammermusikwerke aufgeführt und das Quartett interpretirte sie, wie zu erwarten war, in einer so
vollendeten Weise, dass aufrichtigste Bewunderung dafür erweckt wurde. Die Vortrefflichkeit der vier
Künstler hat es demnach zu Wege gebracht, dass das Publikum den reinen Ausdruck der Kunst,
welchen diese Werke der Klassiker widerspiegeln, zum ersten Male verstehen lernte.
deutschen
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Druck von A. H. Payne, Leipzig -Reudnitz.
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